18. Februar 2016

Worum geht es im Supply Chain Management?

Im Mittelpunkt des Managements steht der Mensch als handelndes Wesen, als homo agens. Im Supply Chain Management steht überdies der Mensch als zusammenhandelndes Wesen, als homo co-agens, im Zentrum der Betrachtung. Durch das bewusste, zielgerichtete und organisierte Kooperieren entstehen Mehrwerte für alle Beteiligten eines Leistungsnetzwerkes.

Freiwillige Kooperationen managen

Der Kerngedanke des Supply Chain Managements (SCM) besteht in der tiefen Überzeugung, dass der Mensch im gemeinsamen Handeln, im kooperativen Handeln eine neue Qualität menschlichen Daseins erlangt. Wir sprechen hier von Arbeitsteilung, von Spezialisierung und von der Übertragung von Aufgaben, von Verantwortung und Kompetenzen. Im Supply Chain Management treten Menschen überdies freiwillig in vertikale Kooperationen – Zusammenhandeln über zahlreiche Leistungsstufen hinweg – mit anderen Menschen ein, übernehmen in einem größeren Leistungsnetzwerk und schließlich in der globalen Gesellschaft eine Rolle, die ihnen selbst Vorteile (Wins) verschafft. Schließlich entstehen Mehrwerte für die Gesellschaft im Sinne der spontanen Ordnung (Hayek), gesteuert durch den globalen Konsumenten.

Ein Paradoxon: Kooperieren aus Eigennutz zum Nutzen aller

Die Antwort auf die häufig gestellte Frage dieses Beitrags, worum geht es im Supply Chain Management überhaupt, was ist das Neue, kann wie folgt lauten:

Das Abstimmen und Koordinieren nach dem alten Denken und Handeln verschleierte häufig lediglich den Versuch, das eigene Unternehmen auf Kosten von Herstellern, Lieferanten, Kunden oder auch Konsumenten zu optimieren. Im Zentrum des Interesses stand meist nicht der Versuch, das Optimum für alle Beteiligten zu finden. Die eigenen Probleme wurden quasi über den Zaun geworfen (Bretzke). Möchte man jedoch die eigenen Gewinne (Wins) weiterhin steigern, braucht man heute in der globalisierten Welt zwingend die übrigen Beteiligten des globalen Dorfes. Somit beschert die Kooperation den Beteiligten im besten Sinn des Wortes eine Win-Win-Win Situation. Mit dem Begründer der modernen Ökonomie, Adam Smith, können wir analog sagen, dass wir nicht aus naiver Nächstenliebe kooperieren, sondern aus begründbarem Eigennutz. Dieses unbeabsichtigte soziale Handeln (L. v. Mises) aus dem Eigennutz heraus, kommt jedoch jedem Mitglied der Gesellschaft direkt oder indirekt zugute.

Philosophie des Supply Chain Managements

Das SCM ist somit die bewusste und zielgerichtete Gestaltung und Planung von freiwilligen Kooperationen über die verschiedenen Leistungsstufen (Urproduzent – Hersteller – Händler – Konsument) einzelner Beteiligter zum Vorteil aller. Dazu bedarf es jedoch nicht nur der tiefen Einsicht, dass Kooperieren zu Vorteilen aller führt, sondern auch der Aneignung von Fertigkeiten und Übernahme von Werkzeugen zum Erkennen der wesentlichen Mechanismen von Kooperation.

Weitere Informationen finden Sie unter „“Logistiker der Zukunft” – Supply Chain Manager

Bildquelle: © geralt, Lizenz: (CC0 Public Domain)

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Über Ernst Kurzmann

Ernst Kurzmann

Ernst Kurzmann ist Dozent in den Fachgebieten Internationalisierung, Logistik und Supply Chain Management. Er ist überdies Master of Business Administration (FIBAA-Akkreditierung) und jahrzehntelanger Wirtschaftstrainer und Consultant in Österreich mit Spezialisierung auf statistische und mathematische Berechnungen in Logistik & Supply Chain Management. Seine berufliche Erfahrung hat Ernst Kurzmann bei renommierten Unternehmungen, wie z.B. Unilever, Alcatel oder PepsiCo gesammelt. Seit 20 Jahren ist er selbstständig und hat im renommierten Frankfurter Allgemeine Buch Verlag sein Sachbuch „Supply Chain Management. Wie Sie mit vernetztem Denken im 21. Jahrhundert überleben“ publiziert, das sich u.a. zu einem Bestseller in diesem Bereich entwickelt hat.
Seine aktuelle Publikation „ManagemANT – Was Fach- und Führungskräfte von Ameisen lernen können. Mit Schwarmintelligenz zum Unternehmenserfolg“ ist im August, im Frankfurter Allgemeine Buch Verlag F.A.Z., erschienen.

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