18. Juli 2017

Der Leitstand in der Intralogistik

Der Leitstand (engl. Control Panel) in der Intralogistik stellt einen zentralen Punkt eines Warehouse-Management-Systems dar und unterstützt verantwortliche Mitarbeiter bei der gesamten Lager-Betriebssteuerung. Neben der Zusammenführung von Informationen (Kennzahlen), dient das Control Panel der Verarbeitung sowie der Auswertung intralogistischer Prozesse. Mittels der grafischen Aufbereitung logistisch-technischer Prozesse kann zielgerichtet auf interne Störungen und unvorhergesehene Ereignisse reagiert werden, um den reibungslosen Materialfluss innerhalb des Lagers nicht zu gefährden. Da im Leitstand in der Regel sämtliche Informationen aus allen Teilbereichen des Lagers zusammenfließen, hat sein technischer Umfang erhebliche Auswirkungen auf die Effizienz, mit der logistische Prozesse im Unternehmen abgewickelt werden.

Hauptfunktionen des Leitstands

  • Visualisierung
  • Planung
  • Optimierung
  • Vergleich von Soll und Ist
  • Aufzeigen von Leistungsgrenzen
  • Controlling
  • Anzeige des Systemzustandes
  • Anzeige der System-Rückkopplungen

Folgende Fragen lassen sich beispielsweise mit Hilfe eines Leistands beantworten:

  • Wie groß ist die Auftragsmenge in der Kommissionierung?
  • Bezogen auf die Bestandsknappheit – wie viele Eilaufträge gibt es?
  • Welche Warentransporte pro Bereich sind gerade aktiv?
  • Wie hoch ist die Personalkapazität der Packerei?
  • Wie hoch ist die Personalkapazität der Kommissionierung?
  • Wareneingang – welche Avise sind offen?
  • Wie hoch ist die Pick-Quote der Kommissionierer?
  • Wie hoch ist das gesamte Tag-spezifische Auftragsvolumen?
  • Wie hoch der aktuelle Fortschritt der Auftragsabwicklung?
  • Welche fördertechnischen Störungen sind bekannt?
  • Welche softwareseitigen Störungen sind bekannt?

Ein Logistikleitstand ist ein Instrument der operativen Betriebssteuerung, der in Systemen der Intralogistik zum Einsatz kommt. Er unterstützt und optimiert die Planung und Steuerung der logistischen Prozesse (operativen Abläufe). Ein Logistikleitstand visualisiert und überwacht kontinuierlich die logistischen Prozesse, identifiziert Soll-Ist-Abweichungen und gibt Anwendern prozessbezogene Handlungsempfehlungen.

VDI-Richtlinie 4493 ‚Leitstand für die Intralogistik‘

Leitstand in der Praxis

  • Informations- und Steuerungsrelevanz: Die aufbereiteten Informationen müssen zur Verbesserung der Steuerung des Kundenprojektes und Unternehmens beitragen.
  • Echtzeit: Die Informationen müssen schnell / zeitgerecht zur Verfügung gestellt werden.
  • Visualisierung: Die Informationen müssen für die Mitarbeiter bedarfsgerecht aufbereitet und unkompliziert dargestellt werden.

Der Leitstand ist nach dem sogenannten Regelkreis-Prinzip aufgebaut; dabei interagiert er fortlaufend mit den ausführenden Prozessbeteiligten der Intralogistik (Menschen, technische Ressourcen, Waren). Das bedeutet, dass der jeweilige Kundenauftrag entsprechend der Soll-Vorgaben geplant und im Rahmen der Kontrolle der jeweilige Prozessfortschritt in regelmäßigen Abständen mit diesen verglichen wird (Soll/Ist-Vergleich). Logistiker sind so nicht nur in der Lage, Warenflüsse (z.B. Wareneingang, Kommissionierung, Veredelung (Konfektionierung), Warenausgang) detailliert und grafisch nachzuvollziehen, dem Mitarbeiter ist es möglich, individuelle und prozessspezifische sowie prozessübergreifende Details je nach Kundenauftrag in Echtzeit anzupassen. Hierbei werden speziell die möglichen Prozessrisiken analysiert; die wiederum gegenüber dem Soll/Ist verglichen werden können. Der Leitstand sorgt durch die Echtzeitanalyse und durch die darauf basierenden Handlungen für messbare Verbesserung von Durchlaufzeiten und führt zur Erhöhung der Planungssicherheit.

Wichtig: Auf Grundlage der aktuellen Informationen aus den Teilbereichen des Lagers kann der verantwortliche Mitarbeiter bei Bedarf eingreifen und entsprechend Ressourcen erweitern, ändern oder andere organisatorischen Maßnahmen einleiten. Die Maßnahmen sind dabei aber in der Regel nicht direkt über den Leitstand zu steuern. Er ist meist nur für die Auswertung und Aufbereitung sowie grafische Darstellung verantwortlich. Zudem ist das Besondere am Leitstand, dass der Leitstand-Mitarbeiter befähigt ist, die Empfehlungen des Leitstands mit seinen persönlichen Erfahrungswerten zu verknüpfen. Der Mitarbeiter entscheidet am Ende, welche Maßnahmen eingeleitet werden; nicht der Leitstand.

Der Leitstand auf dem Smartphone und Tablet

Mittlerweile werden die aufbereiteten Informationen des stationären Leitstandes auch an mobile Endgeräte (Smartphone, Tablet) übertragen. Neben der auf die kleineren Displays ausgerichtete Darstellungsform, ist speziell die Datenübermittlung der sensiblen und internen Datensätze zwingend an technische Bedingungen geknüpft:

  • Datenhoheit – die Daten müssen aus datenschutztechnischen Gründen (Bundesdatenschutzgesetz) beim Kunden gespeichert bleiben und nicht etwa bei Cloud-Anbietern wie Google oder Microsoft.
  • Der Zugriff auf Daten muss mittels Verschlüsselung (beispielsweise HTTPS) stark geschützt erfolgen.
  • Userverwaltung – der Nutzer bekommt individuellen Zugang auf die für ihn freigeschalteten Kennzahlen.

Zusammenfassung

Ein logistischer Leitstand ist das Führungs- und Steuerungsinstrument eines modernen Logistik-Managements. Die grafisch aufbereiteten Informationen, seien es Systemzustände oder Prozessfortschritte, sind die Grundlage um prozessorientierte Entscheidungen zu treffen, die allen Kunden- und Unternehmensanforderungen genügen. Der Mensch entscheidet allerdings, welche Maßnahmen ergriffen werden; der Leitstand gibt lediglich hilfreiche und aufbereitete Prozess-Informationen.

Weitere Informationen zum Thema lesen Sie in den Artikeln Bestandsverwaltung und Lagerplatzverwaltung.

Teaserbild: KNV Logistik

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