29. August 2016

Die Händlerintegration (Ship-from-Store)

Die Händlerintegration steht für den Ausbau eines bestehenden Vertriebsnetzes einer Marke, eines Internet-Pure-Players oder eines Verbands durch die Integration des stationären Handels in die eigene E-Commerce-Strategie. Zu diesem Zweck wird zur Erfüllung des zwischen dem Kunden und der Marke vereinbarten Kaufvertrages der Einzelhandel involviert. Der lokale Handel wickelt dabei die Onlinebestellungen ab, fungiert gleichzeitig als Lager und kann als Service-Point für den Konsumentendienen.

Die Integration lokaler Handelspartner in den Distributionsprozess des Online-Handels einer Marke ist das Ziel der Händlerintegration, englisch Ship-from-Store oder Integrated Commerce. Dabei bestellt der Kunde direkt bei der Marke oder den oben genannten möglichen Partnern im Webshop, die wiederum die eingehende Onlinebestellung über eine spezielle Auftragsverwaltung an die angeschlossenen Händler weiterleiten. Die beteiligten lokalen Händler können in der Folge aus den eingehenden Aufträgen den für sie lukrativsten und sinnvollsten Kundenauftrag wählen.

Voraussetzung: Der lokale Händler muss die gewünschte Ware vorrätig haben. Er nimmt den Auftrag proaktiv und verbindlich an und versendet anschließend die Produkte an den Kunden. Auf Wunsch erfolgt der Versand direkt über angeschlossene Versanddienstleister.

Ökologischer Faktor dank kurzer Lieferwege

Die Entfernung des Händlers zum Kunden spielt bei der Auftragsverteilung und somit bei jeder Bestellung über den Webshop mit Händlerintegration eine entscheidende Rolle; so wird bei den meisten Händlersystemen eine Standort-bezogene Verteilung priorisiert. Der Auftrag wird zunächst dem Händler am nächstgelegenen Point-of-Sale (POS) angeboten. Erst dann wird der Suchradius sukzessive erweitert. Die Händlerintegration ermöglicht so den kürzesten Lieferweg, die Logistik auf der letzten Meile wird entlastet. Findet sich kein lieferfähiger Händler, versendet der Webshop-Betreiber die Ware selbst aus einem zentralen Distributionszentrum oder Outlet-Center an den Konsumenten.

Um dem Kunden eine schnelle Händlerreaktion zu gewährleisten, können autorisierte Fachhändler, je nach System, auch mobil via Smartphone auf die Artikelbörse zugreifen.

Die nun folgenden Vor- und Nachteile treten nicht generell auf; sie sind vom jeweiligen sich im Einsatz befindlichen Händlersystem abhängig.

Händlerintegration: Vorteile für Marke, Pure Player, Verband

  • Marke, Pure Player oder Verband müssen sich nicht um den Versand der Ware kümmern. Das übernimmt der Händler vor Ort, der den entsprechenden Auftrag (Onlinebestellung) annimmt. Der Shop-Betreiber muss nur dann in die Bresche springen, wenn der Einzelhandel die Ware nicht vorrätig hat.
  • In der Regel werden durch die Integration des lokalen Handels die Logistikprozesse Retouren-Management und ein Teil der Lagerhaltung an den Einzelhandel abgegeben.
  • Lagerhaltung: Der Betreiber muss nicht mehr alle Waren für den Online-Handel in einem großen Lager auf Vorrat halten, sondern nutzt die integrierten Händler als dezentrale Lagerstätten. Setzen alle Partner auf ein ERP-System, welches auch für die Bestandsverwaltung zuständig ist, kann das Online-Angebot im Webshop mit dem Warenbestand beim Einzelhändler abgeglichen werden. Dies erfordert allerdings auch einen größeren administrativen Aufwand für die Händler.
  • Retourenabwicklung: Der lokale Fachhändler übernimmt in der Regel die Abwicklung von Retouren und ist gleichzeitig Ansprechpartner bei Reklamationen.
  • Ein weiterer Vorteil ergibt sich bei der Nutzung von Beständen in Filialen im Ausland. Lohnt sich ein zusätzlicher Standort im Ausland, können so die Versandkosten sowie die Lieferzeiten erheblich reduziert werden.
  • Same-Day-Delivery ist ebenfalls ein neuer Service, der dem Kunden wegen des lokalen Händlerbezugs angeboten werden kann.

 

Nachteile für die Marke, Pure Player, Verband

  • Marke, Pure Player, Verband haben das Risiko, dass das Produkt nicht in Übereinstimmung mit ihren Vorstellungen verpackt und versendet wird. Dieses Risiko lässt sich zwar über Verpackungsvorgaben reduzieren, aber nicht gänzlich eliminieren.
  • Wenn der Einzelhändler als Erfüllungsgehilfe auftritt, verzichteten Marke, Pure Player oder Verband auf einen Teil der Marge, die sie bei einer Selbstauslieferung, beispielsweise aus dem eigenen Zentrallager, hätten. Dieser Anteil fällt dem Einzelhändler zu.

 

Händlerintegration: Vorteile für den Händler

  • Der Händler profitiert vom E-Commerce des Herstellers und muss keinen eigenen Webshop pflegen.
  • Der Händler kann seine Flächenrentabilität erhöhen.
  • Wird neben dem Versand auch In-Store-Pickup angeboten, bindet der Händler den Kunden am POS und kann neben der virtuellen Reichweite auch seine lokale Reichweite erhöhen.

 

Nachteile für den Händler

  • Das Retourenrisiko verbleibt beim Händler.
  • Der Händler ist nicht Vertragspartner zum Kunden, da die Rechnung häufig vom Webseitenbetreiber gestellt wird. Daher hat der Händler auch keinen Zugriff auf die Kundendaten. Ohne die Möglichkeit einer Selbstabholung beim Retailer ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass der Kunde auch als Offline-Kunde des stationären Geschäfts gewonnen werden kann.

 

Händlerintegration: Vorteile Kunde

  • Dem Kunden wird durch die geografische Nähe ermöglicht, die Ware persönlich abzuholen. Es gibt allerdings auch Händlersysteme, die ein lokales Abholen der Ware nicht zulassen.
  • Bietet der Betreiber dieses Feature an oder ermöglicht eine Auslieferung über lokale Kurierdienste, kann der Kunde seine Lieferung noch am selben Tag erhalten.
  • Der Kunde hat, falls vom Betreiber so gewünscht, einen persönlichen Ansprechpartner in seiner Nähe.
  • Durch die Einbindung des stationären Handels ist die Warenverfügbarkeit höher als bei einer auf einem Zentrallager basierenden E-Commerce-Lösung.

 

Zusammengefasst: Die Integration des lokalen Handels in die E-Commerce-Strategie einer Marke (Ship-from-Store) erleichtert es dem jeweiligen Händler in den Onlinehandel einzusteigen. Die Marke selbst profitiert von der dezentralen Lagerhaltung und bietet zugleich dem Kunden vor Ort einen Anlaufpunkt bei Reklamationsfragen und einen nützlichen Service-Point an.

Weitere Informationen rund um die Händlerintegration lesen Sie in den Artikeln No-Line-Commerce, Multi-Channel, Cross-Channel, und Omni-Channel.

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Über gaxsys GmbH

gaxsys GmbH

Die gaxsys GmbH wurde 2008 in Karlsruhe gegründet. Der »Channel Conflict«, der aus der Verdrängung von stationärem Handel durch herkömmliche Onlineaktivitäten von Marken resultiert, gibt dem aufstrebenden Karlsruher Unternehmen Rückenwind. Mit der E-Commerce-Lösung von gaxsys können Produkte online, direkt über die Marken-Webseite vertrieben werden. Das Besondere: Über die gax–Artikel-Börse werden Kunden-Bestellungen aus dem Onlineshop den nächstgelegenen Point-of-Sale (POS), z.B. Händlern, Franchisenehmern oder Filialen, zur Auftragserfüllung angeboten.

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2 Kommentare

  • x
    2016-08-29 15:48

    Beispiel für einen Online-Shop, der das bereits verwendet. Kenne es trotz Erfahrung mit vielen Onlineshops bisher nur aus der Theorie

    • TUP - Redaktion
      2016-08-30 14:25

      Hallo Mr. X,

      ein Beispiel wäre RUN1ST. Das Händlerportal RUN1ST hat es sich zum Ziel gesetzt, die Erfahrung von über 50 angeschlossenen Laufschuh-Fachgeschäften auf einer Webseite zu bündeln. Die Abwicklung der Online-Bestellungen erfolgt über die lokalen Händler. Es besteht auch die Möglichkeit, die Waren direkt im Ladengeschäft abzuholen.

      Viele Grüße von der Redaktion

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