10. Februar 2016

Die Materialflusssteuerung als Dienstleistung für ein Distributionszentrum

Als Materialflusssteuerung, auch Materialflussrechner oder Material Flow Control System (MFCS), wird sehr häufig eine direkt einer Förderanlage zugeordnete Auftragsverwaltung bezeichnet. Diese Sicht aber wird der Aufgabe nicht gerecht, wenn in einem Logistikzentrum eine gewachsene heterogene Struktur an Förderanlagen existiert, die erst in ihrem koordinierten Zusammenwirken das optimale Betriebsergebnis ermöglicht.

Das MFCS im engeren Sinne erfüllt in der Welt der IT-Systeme von Logistikzentren eine zentrale Funktion – jederzeit den optimalen Durchsatz der Anlage zu gewährleisten. Dabei werden seine Funktionen einerseits von einer in der Regel investitionskostenoptimierten Anlage oder einem Konglomerat verschiedener Anlagen und Ausbaustufen genutzt, andererseits von den Funktionen des operativen Betriebs mit unterschiedlichen Nutzungsstrategien. Dabei muss das MFCS in seinem Verhalten berechenbar und stabil sein und jederzeit zur Laufzeit an neue Strategien, erweiterte Anlagen und neue Ideen angepasst werden können. Dies setzt in der Materialflusssteuerung eine standardisierte Lösung voraus, die flexibel genug ist, mit allen Anforderungen fertig zu werden oder die leicht auf neue Anforderungen angepasst bzw. erweitert werden kann.

Transportdurchführung in der Materialflussteuerung

Das MFCS hat primär die Aufgabe, bestehende, von anderen Systemen erzeugte Transportaufgaben so durchzuführen, dass die Anlage nicht blockiert wird. Hierzu hat es den Betriebszustand der Anlage und den Belegungszustand von Strecken, Punkten und Transportressourcen zu beachten und die vorhandenen verfügbaren Fördermittel mit entsprechenden Fahraufträgen zu beauftragen. Die Durchführung der Fahraufträge selbst ist nicht Aufgabe des MFCS, sondern die der unterlagerten Steuerungen. Insbesondere muss bei der Transportkoordination die Tatsache berücksichtigt werden, dass die Belastungssituation aller Förderbereiche gemeinsam berücksichtigt wird. So ist beispielsweise die oft anzutreffende Konstellation eines Staplerverkehrsbereiches mit einer Palettenfördertechnik und einem automatischen Hochregallager gemeinsam zu steuern.

Transportverwaltung in der Materialflussteuerung

Die wichtigste Funktion der MFCS ist die Beauftragung von Fördersystemen mit Fahraufträgen in einer Weise, die die Anlage optimal auslastet und die logistischen Prozesse bestmöglich bedient. Beide Ziele können nicht unabhängig voneinander erreicht werden, manchmal entstehen Zielkonflikte. Führend ist immer der logistische Prozess: Die termingerechte und vollständige Auslieferung von Ware ist das Primärziel, an dem sich sowohl die Gestaltung der Anlage als auch deren Betrieb zu orientieren hat. Die optimale Auslastung der Anlage durch das MFCS ist diesem Ziel untergeordnet. Es wird sichtbar: Die Transportverwaltung ist die zentrale Instanz zur Überwachung, Beauftragung und Koordination aller Transportaufträge und Transportressourcen.

Methoden zur Bildung von optimalen Fahraufträgen

Was hilft das beste Routing, wenn keine planbaren Aufträge vorhanden sind? Abgeleitet aus der Praxis eignen sich die folgenden Methoden zur Bildung von optimalen Fahraufträgen:

  • Mithören am Bestelltopf -> frühzeitig Nachschub auslösen und an das MFCS „weiterleiten“
  • Batchkommissionierung -> Raffen von Kundenaufträgen, Mehrfachzugriff auf einen Artikel
  • Zeitscheibenbildung -> termingerechte Tourenbereitstellung im Warenausgang (siehe auch: Cut-Off-Zeit)
  • Reservierung von Eilbatches -> zeitgesteuertes einschleusen in den Tagesablauf

Weitere Informationen zur Materialflusssteuerung finden Sie unter „Die Datenbasis der Materialflusssteuerung“.

 

Bildquelle © Scanrail – Fotolia.com

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