14. Dezember 2015

Ship to Line / die direkte Warenbereitstellung

Bei Ship to Line beziehungsweise bei der Direktbereitstellung von Waren stellt der Lieferant/Hersteller die Sendung zusammen und liefert diese direkt an den Verbrauchsort – ohne das Lager beziehungsweise die Logistik des Abnehmers zu benötigen. Durch die Übernahme der wertschöpfenden Prozesse wie Warenannahme, einlagern und auslagern durch den Lieferanten beziehungsweise Hersteller, wird die Steigerung der Leistungsfähigkeit der Supply Chain gefördert.

Die Konzentration bei der direkten Waren- und Rohstoffbereitstellung liegt auf dem Nachschub. Er kann beispielsweise über eine kontinuierliche Warenversorgung (engl. Continuous Replenishment) erfolgen. Dabei koordiniert der Produzent zusammen mit dem Lieferanten, auf Grundlage der erhobenen Produktionsmengen (Produktionsplanung), die Nachfrage. Beispielsweise durch die Lean-Methode Heijunka. Diese Art des Nachschubs erfolgt zügig und meist ohne Planungsvorlauf (Materialbedarfsplanung). Der Lieferant kann dabei auch gleichzeitig der Hersteller sein.

Ship to Line in der Praxis (Beispiel): Die Ware beziehungsweise der Rohstoff wird direkt an eine Fertigungsstraße (Produktion) oder Montage durch den Lieferanten organisiert. Der Produzent betreibt keinerlei lagertechnische Tätigkeiten. Die angelieferte Ware wird sofort von der Produktion vereinnahmt und nicht auf Vorrat zwischengelagert. Wird eine bestimmte Menge des benötigten Produktes verarbeitet, löst eine automatisierte Mengenerfassung den Nachschub aus; beispielsweise durch das Kanban-System oder das Milkrun-Konzept – auch die Versorgung über die oben erwähnte kontinuierliche Warenversorgung ist denkbar.

Ziele von Ship to Line:

  • Lagerbestände werden signifikant reduziert
  • Wiederbeschaffungszeiten werden verkürzt
  • Qualitätsverbesserung durch Kontinuität
  • Bessere Transparenz in den Prozessen
  • Prozesse werden vereinfacht
  • Lagerflächenbedarf wird reduziert
  • Kosteneinsparungen

 

Schaffen es die Partner, die Ziele zu erfüllen, werden damit automatisch der Auslastungsgrad von Ressourcen beziehungsweise die Betriebsmittel minimiert. Es gilt: Je mehr sich der theoretische (Simulation in der Supply Chain) dem realen Wert (Kennzahlen) nähert, umso besser ist der eigentliche Auslastungsgrad während der realen Produktionsphase.

Problematiken von Ship to Line:

  • Kommt es zu größeren Schwankungen bei der Nachfrage (Bullwhip-Effekt), kann es auf Dauer zu Fehlmengen kommen. Es ist daher sinnvoll, den Nachschub ständig zu überwachen und immer wieder neu einzuschätzen.
  • Qualität der Ware: Wird fehlerhafte Ware geliefert, bleiben die Mängel meist bis zum Verkauf oder Verbau (Montage, Produktion) unbemerkt, weil es auf Seiten des Kunden (Abnehmer) keine Warenkontrolle gibt. Die Folge: In der Lieferkette kann es daher zu Stillstand oder anderen Beeinträchtigungen kommen (Montage- und Produktionslinien werden gestört). Lieferant und Kunde sollten daher einen Prozess berücksichtigen, der das Ein- und Ausschleusen von Beanstandungen sowie Ersatzteilen ermöglicht; ohne die eigentliche Linie (Lieferung, Produktion) zu behindern.
  • Abhängigkeit: Das Auflösen bisheriger innerbetrieblicher Lager erhöht die Abhängigkeit von der Leistung des externen Lieferanten und seiner Logistik-Prozesse. Eine genaue Absprache und vertraglich zugesicherte Aussagen zwischen Kunde und Lieferant sind daher zwingend nötig.

Unter folgenden Voraussetzungen ist Ship to Line sinnvoll:

  • Lieferzeit ist kleiner (kürzer) als bei der Konkurrenz (Nähe zur Produktionsstelle von Vorteil)
  • Qualität ist einwandfrei
  • Produktvielfalt ist klein (Konzentration liegt auf nur wenigen Produkte)
  • Verbrauchsrate der Güter ist hoch
  • Produktgröße ist klein (Keine Möbel oder andere sperrige Teile)

Weitere Informationen finden Sie unter Just-in-time und Just-in-sequence, zwei andere Formen der Warenbereitstellung.

Bildrechte: Daimler AG / CC BY-NC-ND 2.0

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