28. Januar 2019

Elektronisches Regaletikett / Shelf Label

Ein elektronisches Regaletikett (englisch: Electronic Shelf Label, abgekürzt ESL), auch digitales Regaletikett oder, weit verbreitet, elektronische Preisauszeichnung, zeigt im Einzelhandel den Preis eines Artikels auf einem digitalen Display an. Das Shelf Label ist in der Regel vorne am Regal platziert, in dem der jeweilige Artikel lagert.

Elektronische Regaletiketten sind Teil eines IT-Gesamtsystem und zeigen automatisch und unmittelbar Artikelpreise an, die von einem zentralen Kontrollserver aus gesteuert und bei entsprechenden Rechten angepasst werden.
ESL-Module nutzen für die Anzeige Technologien wie E-Paper (Electronic Paper) oder LCD (Liquid Crystal Display), um den jeweiligen aktuellen Artikelpreis anzuzeigen; als zukunftsweisend gilt allerdings die Dot-Matrix-Technologie, da sie ein Display bietet, das wesentlich mehr Grafikelemente verarbeiten kann. So können unter anderem neben Preis auch Produktbeschreibung, Grafiken, Bilder, QR-Codes und Barcodes angezeigt werden. Ein automatisches Update der jeweiligen Preisveränderung erfolgt durch ein spezielles Kommunikationsnetzwerk, welches durch seine entscheidenden Vorteile die wichtigsten Anforderungen seitens der Anwender erfüllt. So muss die kabellose Kommunikation große Entfernungen überbrücken und dabei eine entsprechende Übertragungsgeschwindigkeit (ähnlich einer Echtzeit) bieten. Die kabellose Übertragung kann mittels Radiowellen (auch Funkwellen), Infrarotwellen oder auch durch die Wellen sichtbaren Lichts erfolgen. Stand heute tendiert der ESL-Markt in seinen Lösungen entweder zu einer Hochfrequenz-Basis, also Radiowellen oder setzt auf WLAN– und Bluetooth-Technologien. Letztere Technologien sind allerdings im technologischen Umfeld (Frequenzen) anfällig.

Funktionsweise / Aufbau: Elektronisches Regaletikett (Infrastruktur)

In der Regel kommen eine ultra-energiesparsame CPU am Etikett selbst und eine kabellose Kommunikationslösung samt Server-Infrastruktur zum Einsatz. Ein ESL-System bietet dabei unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten in Abhängigkeit der vorhandenen Infrastruktur (IT und Anzahl der Verkaufsstellen). So gibt es sogenannte On-Premise-Lösungen, die beispielsweise Anbieter mit wenigen Verkaufsstellen ansprechen; wiederum gibt es Cloudlösungen, die mehrere Filialen ansteuern können – beide Varianten sind in der Regel kombinierbar. Kommt bei der lokalen Variante ein lokal gespeichertes Warenwirtschaftssystem (WWS) beziehungsweise ERP-System zum Einsatz, über das die Preisdaten und andere Informationen gebündelt werden, übernimmt bei einer Cloudlösung ein zentrales WWS / ERP die Übermittlung der gebündelten Daten an einen ESL-Server. Wichtig dabei: Die Cloudlösung selbst kann auch innerhalb eines zentralen Firmennetzwerks liegen, an dem dann die ESL-Infrastruktur der jeweiligen Märkte beziehungsweise des jeweiligen Marktes angeschlossen ist.

Die elektronische Preisauszeichnung via Shelf label ist mittlerweile Standard.

Elektronisches Preisschild im Supermarkt. Bild: Ralf Gruner / CC BY-SA 4.0

Zusammengefasst: Das WWS oder ein ERP-System senden die aufbereiteten Produktinformationen an einen zentralen ESL-Manager / beziehungsweise ESL-Server. Dieser kann entweder in der Cloud oder lokal gehostet sein. Der ESL-Server wiederum sendet die Informationen vorgabenbedingt an die einzelnen Geschäfte aus, von wo Hardwarekomponenten wie Etiketten, Smartphones sowie PC-Einheiten miteinander verknüpft werden und untereinander, inklusive des angeschlossenen ESL-Systems, kommunizieren.

Beim elektronischen Regaletikett und den dazugehörigen Hardware- beziehungsweise Netzwerkkomponenten werden drei funktionale Teilbereiche unterschieden:

    • Die Etiketten-Management-Software: Sie konfiguriert unter anderem das Kernsystem und übernimmt die Einstellungen für das Etikett selbst. Zudem gehören Datenbankupdates der Preislisten sowie die Wartung der Datenkommunikation zwischen Etiketten-Management-Software und Regaletikett dazu. Mittels integriertem Benutzer-Interface ist es dem Anwender möglich, die Regaletiketten einzeln mit Informationen zu bespielen. Die Datenbankupdates beziehungsweise die Preislisten können allerdings auch zentral von einem WWS / ERP-System gemanagt werden. Die Etiketten-Management-Software sorgt also zum einen für die Systemübersicht und gibt Rückmeldung über den Status aller Aufgaben. Darüber hinaus steuert die Software die Übermittlung der Produktdaten an die Regaletiketten, indem sie die entsprechenden Datensätze, beispielsweise Preis, Logo und Produktinformationen, komprimiert und in ein systemabhängiges Format weiterleitet.

    • Der Kommunikationssender: Das Funkmodul gewährleistet die Stabilität und Verlässlichkeit der Übertragung über eine lange Distanz von der Etiketten-Management-Software (innerhalb des ESL-Servers) zum Regaletikett – der Eingabeort des Preises kann allerdings auch lokal im Point-of-Sale stattfinden (via PC, Smartphone, Tablet). Beispiel: Wenn in einem Laden einer Marktkette das Obst zum Abend verkauft werden muss, dann hilft in der Regel eine lokale Preisanpassung. Das zentrale WWS/ERP wird lediglich in Kenntnis gesetzt. Ein kaufmännischer Bestandsabgleich erfolgt demnach nicht parallel. Damit der Kontrollserver automatisch das Aussenden des Preisupdates als erledigt erkennt, senden in den Regaletiketten verbaute Empfangselemente ein Bestätigungsticket zurück an den zentralen Kontrollserver – letzteres ist allerdings abhängig von der eingesetzten Etikettenhardware.
    • Das Regaletikett: Es besteht aus Display und Empfängereinheit; damit eine Rückkopplung zum Kontrollserver möglich ist, ist eine Sendeeinheit vonnöten – diese ist anbieterabhängig. Neben der Preisanzeige wird demnach über das verbaute Funkmodul eine Verbindung zum Kontrollserver aufgebaut und während des Sendevorgangs aufrechterhalten.

    Funktionen einer ESL-Software im Detail (Quelle: Bison-Group)

    Systemfunktionen

    • Verwaltung der Produkt-/Etikettenbindung
    • Produktpreise- und Informationsdatenbank
    • Systeminfrastruktur Konfiguration und Steuerung
    • Schnittstelle zu Drittsystemen, beispielsweise Warenwirtschaft
    • Verarbeitung der importierten Produktdaten
    • Vorlagen-Management (Templates)
    • Monitoring
    • Benutzerverwaltung

    Betriebsfunktionen

    • Erweitertes System-Monitoring (Funkqualität, Batteriestatus, Temperatur, Störungsmeldungs-Analyse)
    • Systemstatistik (Anzahl Produktimporte, Anzahl Preisänderungen u.v.m.)
    • Nachfolgeartikel
    • Regalplatz-Erfassung
    • Retouren-Verwaltung für fehlerhafte Etiketten
    • Stromverbrauchoptimierung
    • Etiketten-Management (aktive, defekte)
    • API für externe Monitoring Werkzeuge

    Preisänderungen werden im Handel zunehmend dynamischer. Die Aussichten sehen Preisänderungen von bis zu 5.000 Änderungen pro Woche innerhalb der nächsten drei Jahre vor. Die Gründe für die zunehmende Anzahl Preisänderungen liegen sowohl in der Konkurrenz zum Online-Geschäft als auch im Bestreben die Abschriften für unverkaufte oder verderbliche Ware zu reduzieren.

    Bison Deutschland GmbH / zu dem Warum ESL / Europa3000.ch

    Hinweis der Redaktion: Um neben der Filiallogistik auch den Aspekt der Logistik zu berücksichtigen, ist es mittels einer Schnittstelle zum Warenwirtschaftssystem auch möglich, direkt aus den Funktionen der Beschaffung, des Transports, der Lagerung, der Kommissionierung und des Versands preistechnisch zu reagieren.

    Vorteile und Nachteile der elektronischen Preisauszeichnung

    Elektronische Regaletiketten kommen vor allem im Einzelhandel am POS zum Einsatz; aktuell insbesondere in großen Supermärkten und Elektrofachgeschäften. In der Regel sind sie, wie anfangs erwähnt, an der Front des entsprechenden Regalplatzes angebracht und zeigen den Preis des Produkts an; darüber hinaus können weitere Informationen angezeigt werden, beispielsweise Mindesthaltbarkeitsdatum, Preis in Bezug zu einer Referenzmenge, Lagerbestände oder auch konkrete Produktinformationen.

    Vorteile elektronischer Regaletiketten

    Ein automatisiertes System elektronischer Regaletiketten reduziert die Personalkosten, die durch eine manuelle Preisauszeichnung entstehen. Zudem verbessert es die Korrektheit der Preisauszeichnung und erlaubt ein dynamisches Auspreisen. Insbesondere letzteres ermöglicht eine schnelle Anpassung von Preisen in Abhängigkeit von Nachfrage, Online-Wettbewerb, Lagerbestand, Haltbarkeitsdauer und Promotion-Aktionen. Zu den Vorteilen gehören zusammengefasst:

    • Korrekte Preisauszeichnung
    • Kostenersparnis (Personal)
    • Regalplatz finden (z.B. Identifikation anhand von Farbmarkierungen)
    • Regalbestände regulieren

    Nachteile elektronischer Regaletiketten

    Einerseits wird zwar die Korrektheit einer Preisauszeichnung deutlich erhöht, da menschliche Arbeitskraft, die die Preise manuell und einzeln auszeichnet, nahezu auf null reduziert wird; andererseits führt aber ein einzelner Fehler an zentraler Stelle zur Verbreitung und flächendeckenden Verteilung einer fehlerhaften Preisauszeichnung – womöglich auf die gesamte Einzelhandelskette hinweg.
    Ein weiterer Nachteil besteht in den hohen Investitionskosten bei der Erstimplementierung eines solchen Systems der elektronischen Preisauszeichnung; ebenso ist dessen Rentabilität nur schwer zu berechnen beziehungsweise zu beziffern. Zu den Nachteilen gehören zusammengefasst:

    • Zentrale Fehler führen zu weitreichenden Folgen
    • Hohe Investition bei Erstimplementierung
    • Rentabilität des Systems ist schwer zu beziffern

    Zusammenfassung Elektronisches Regaletikett

    Als elektronische Preisauszeichnung bezeichnet man ein Kommunikationssystem, vorwiegend im Einzelhandel, das es ermöglicht, die Preise von zentraler Stelle aus zu ändern. So können in Echtzeit Preise in allen Filialen einer Einzelhandelskette automatisch geändert werden; das händische Austauschen und Anbringen von Papierpreisschildern durch Personal entfallen. Angezeigt wird der Preis auf einem elektronischen Regaletikett, das in der Regel ein Funksignal vom Kontrollserver empfängt und neben dem Preis auch weitere Produktinformationen darstellen kann. Einsatzorte für eine ESL-Software sind laut woutex.de neben klassischen Einkaufsketten Tankstellen, Autohäuser und zum Beispiel Apotheken.

    Teaserbild: Franklin Heijnen / CC BY-SA 2.0

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Die Redaktion der DR. THOMAS + PARTNER GmbH & Co. KG hat die Plattform Logistik KNOWHOW ins Leben gerufen, administriert und koordiniert die Beiträge und erstellt selbst Inhalte zu verschiedenen Kategorien. Die Software-Manufaktur DR. THOMAS + PARTNER aus dem Raum Karlsruhe realisiert seit über 35 Jahren maßgeschneiderte Intralogistik-IT-Systeme, mit speziellem Fokus auf die Bereiche Lagerverwaltung und Materialfluss. Zu den namhaften Kunden zählen nationale und internationale Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branche.

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