Vorgehensweise bei der Modernisierung von Intralogistik-Anlagen

Vorgehensweise bei der Modernisierung von Intralogistik-Anlagen

Für eine Modernisierung von Intralogistik-Anlagen, auch Retrofit genannt, gibt es zum einen systembedingte Gründe, wie z. B. eine sinkende Anlagenverfügbarkeit, steigende Ausfallkosten, fehlendes Fachwissen über Komponenten und Anlageteile, mangelnde Ersatzteileversorgung, ansteigende Betriebskosten, nicht mehr zu erfüllende Sicherheitsanforderungen, ergonomische- und arbeitsbedingte Einflüsse und zum anderen unternehmens- und marktbedingte Gründe.

Neue Anforderungen am Markt können beispielsweise veränderte Lieferbedingungen, verändertes Kaufverhalten, die Einführung neuer Produkte, neue Verpackungen oder veränderte Mengenströme sein. Neue Vorgaben durch das Unternehmen können z. B. die Erweiterung der Produktionskapazität, die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit, die Optimierung und Bündelung von Kapazitäten, eine Standorterweiterung, -verlegung oder -zusammenführung und eine Veränderung der innerbetrieblichen Logistik sein. Diese Gründe müssen bei der Planung der neuen Anlage beachtet werden und sind Indizien dafür, welche Punkte besondere Beachtung finden müssen.

Unterschiedliche Ausprägung der Modernisierung

Die Arten der Modernisierung können ebenfalls unterschiedliche Ausprägungen haben. Die vorhandene Anlage wird beispielsweise umgebaut, erweitert, ein Neubau wird an die vorhandene Anlage angebaut oder die elektronische Datenverarbeitung (EDV) wird erweitert, angepasst oder erneuert. Bevor eine Anlage modernisiert oder erweitert werden kann, müssen jeder Schritt und jede Aktivität genau geplant werden, um geplante Termine und Kosten einhalten zu können. Bei der Planung sollten im Allgemeinen die folgenden Punkte berücksichtigt werden (in Anlehnung an die VDI-Richtlinie 4403):

1. Im ersten Schritt wird der Ist-Zustand über Bestandsaufnahmen und -analysen bestimmt. Einige wichtige Punkte hierbei sind unter anderen: Die Infrastruktur der Anlage und deren Umgebung, der Materialfluss und dessen Steuerung, die Anlagenleistung sowie die gesamte EDV.

2. Die nächste Handlung ist die Erfassung der Anforderungen angelehnt an die geplanten Veränderungen. Dadurch wird der Soll-Zustand der Anlage beschrieben. Einige wichtige Punkte hierbei sind: Der geplante Durchsatz nach der Modernisierung, das zukünftige Artikelspektrum, Änderungen im Materialfluss und die entsprechenden Anpassungen in Infrastruktur, Soft- und Hardware.

3. Die für die Anforderungen erforderlichen Umbau- bzw. Erweiterungsmaßnahmen müssen beschrieben und dokumentiert werden, wobei folgende Aspekte zu beachten sind: Bauliche Veränderungen, Anpassung der Lagertechnik, Modernisierung der IT-Infrastruktur, Weiterbildung der Mitarbeiter.

4. Die Risiken, die mit den Umbau-, Modernisierungs- oder Erweiterungsmaßnahmen verbunden sind, müssen aufgezeigt werden. Zu diesen können folgende gehören: Eine Änderung der Marktlage, falsche Annahmen bei der Planung, Schnittstellenprobleme mit vorhandener Technik oder fehlende Funktionen.

5. Durch die Erstellung des Pflichtenhefts werden die Anforderungen, Maßnahmen und Bedingungen für den geplanten Umbau bzw. die Erweiterung beschrieben. Genauere Informationen zur Erstellung eines Pflichtenhefts finden sich in der VDI-Richtlinie 2519 Teil 1 und 2.

6. Als nächstes muss ein Terminplan erstellt werden, in dem die zeitliche Abfolge der einzelnen Maßnahmen und deren Abhängigkeiten dargestellt werden. Für den Endtermin wichtige und ausschlaggebende Zwischentermine werden als Meilensteine im Terminplan fixiert und dokumentiert. Wichtige Prozessschritte sind der Beginn des Umbaus, Inbetriebnahme, Testzeiten, Abschluss der Maßnahmen.

7. Im letzten Schritt erfolgt die Bieter- und Lieferantenauswahl, hier sollte im Speziellen auf Referenzen und Kapazitäten des Anbieters geachtet werden.

Bevor die Umbaumaßnahmen beginnen, müssen noch einige Aufgaben im Vorfeld vorbereitet werden. Hierzu zählen neben technischen und elektrischen Vormontagen, die hier nicht im Detail erklärt werden sollen, auch die Anpassung und Erstellung von Softwarebausteinen sowie die Schulung und Qualifizierung des Personals.
Eine genaue Darstellung der oben genannten Punkte kann in der VDI-Richtlinie 4403 nachgelesen werden.

Weitere Informationen zur Modernisierung finden Sie unter Retrofit in der Intralogistik.

 

Bildquelle: © Stefan Rajewski – Fotolia.com

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TUP - Redaktion (http://www.tup.com)
Die Redaktion der DR. THOMAS + PARTNER GmbH & Co. KG hat die Plattform Logistik KNOWHOW ins Leben gerufen, administriert und koordiniert die Beiträge und erstellt selbst Inhalte zu verschiedenen Kategorien. Die Software-Manufaktur DR. THOMAS + PARTNER aus dem Raum Karlsruhe realisiert seit über 35 Jahren maßgeschneiderte Intralogistik-IT-Systeme für nationale und internationale Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branche.

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