Mittels einer Artikelnummer werden Handelsartikel gekennzeichnet, um sie zu differenzieren, zu kategorisieren und eindeutig zu identifizieren. Sie wird für einen bestimmten Artikel beziehungsweise eine bestimmte Variante des entsprechenden Artikels nur ein einziges Mal vergeben. Diese Unverwechselbarkeit und Eindeutigkeit bezieht sich auf das jeweils zu Grunde liegende System. Dabei kann es sich um das eigene Sortiment, das betriebseigene Lager oder einen weltweit gültigen Standard handeln.

Funktion und Darstellung von Artikelnummern

Die Nummerierung von Artikeln basiert auf einem numerischen Ordnungssystem, das der Identifikation beziehungsweise Klassifikation von Artikeln dient. Solche Systeme werden auch Artikelcodierungssysteme genannt, sie können sowohl individuell als auch überbetrieblich erstellt werden. Bei Ersteren haben Unternehmen ihre eigenen Artikelnummern entwickelt und etabliert, während bei Letzteren internationale Standards verwendet werden. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, eine Artikelnummer respektive den Artikelcode zusammenzustellen und darzustellen. Die bekannteste Darstellungsweise ist der Strichcode, auch Barcode genannt. Im EAN-System oder dem GTIN-System besteht die Artikelnummer in der Regel aus vier Segmenten mit insgesamt 13 Stellen, die verschiedene Bedeutungsstaffelungen haben und sich wie folgt anordnen:

  • Stellen 1-3 zeichnen das Land aus
  • Stellen 4-7 zeichnen das Unternehmen aus
  • Stellen 8-12 zeichnen den Artikel aus
  • Stelle 13 dient lediglich als Prüfziffer

Jeder Artikel unterliegt dieser Nummerierung. Zusätzlich gibt es beim Strichcode noch die entsprechend unterschiedlich dünnen und dicken Striche, die von Scannern ausgelesen werden.

Übersicht zur Codedichte von Barcodes
Übersicht zur Codedichte von Barcodes

Übersicht zu Aufbau und Funktion gängiger Artikelnummersysteme

Zu den gängigsten internationalen Artikelnummern gehören EAN, GTIN, UPC sowie ISBN. Eine überbetrieblich bekannte, aber nur betrieblich genutzte Artikelnummer stellt beispielsweise die ASIN (Amazon Standard Identification Number) von Amazon dar. Die ASINs sind relevant für die Verwaltung des Produktkatalogs bei Amazon. Die ASIN ermöglicht es, der Käufersuche ein möglichst passendes Suchergebnis zu präsentieren, wodurch Käufer Produkte einfacher finden. Darüber hinaus helfen ASINs dabei, Produkte vor Fälschung zu schützen.

Die Internationale Standardbuchnummer ISBN (International Standard Book Number) ist eine Artikelnummer, die Bücher sowie andere selbstständige Veröffentlichungen, die einen redaktionellen Anteil haben, eindeutig kennzeichnet. Dazu können auch Software oder Multimedia-Produkte gehören. Ursprünglich 10-stellig hat sie mittlerweile 13 Stellen, was darin begründet liegt, dass einerseits der Zahlenraum enorm vergrößert und andererseits damit die Kompatibilität mit dem EAN-System erreicht wurde. Das bedeutet, dass eine 13-stellige ISBN identisch ist mit der entsprechenden EAN.

Der EAN-Code (European Article Number) ist die am weitesten verbreitete Artikelnummer und wurde 2005 in GTIN umbenannt. Beide gehen einher mit einer entsprechenden Darstellung als Strichcode.

Der GS1-Standard und seine Vorteile

Bei der Einführung 1976 war es das Ziel, die EAN als eine europaweit eindeutige Identifizierung von Artikeln sicherzustellen. Nach nur wenigen Jahren wurde die EAN-Kodierung auch in Asien, Afrika, Australien und Südamerika eingesetzt. Im Jahr 2002 wurde die EAN mit der nordamerikanischen Entsprechung UPC (Universal Product Code) zusammengeführt zu der heutigen GS1 (Global Standards 1). Demzufolge wurde für die kompatiblen Identifikationssysteme EAN und UPC ein neuer Begriff etabliert: GTIN (Global Trade Item Number).

Mittels der GTIN wird die ganze Wertschöpfungskette von einem einzelnen Artikelnummernsystem durchdrungen. So ist der GS1-Standard schon im Produktionsprozess fest verankert, indem von der Beschaffung über die Herstellung bis hin zum Endprodukt jeder einzelne Posten mit einer eindeutigen Artikelnummer, der GTIN, versehen wird. Weitere Informationen zu Prozessen wie Lagerung, Transport, Handel, Auslieferung und Rückführung werden in der Regel alle auf der Code-Variante GS1-Standard 128 gespeichert. Somit erhält jeder Artikel ein unverwechselbares Etikett, das ihn innerhalb einer bestimmten Verpackungshierarchie identifiziert. Neben der Chargennummer und beispielsweise dem Haltbarkeitsdatum können auch Artikelbeschreibung, Transporteinheit, Identifikations- und Klassifikationsnummer, Losnummer und das Nettogewicht als weitere Daten gespeichert sein.

Vorteile des GS1-Standards:

  • Schnelle Erfassung am Wareneingang oder inmitten des Warenflusses
  • Flexible und schnelle Erstellung von Datenträgern und Etiketten
  • Kostengünstiges Datenträgermedium
  • Mit Klarschrift zusammen auf einem Datenträger kombinierbar
  • 16.000 und mehr Scans pro Sekunde, bei einer Fördergeschwindigkeit von 2,3 Metern pro Sekunde
  • Nachweisbare fehlerlose Barcode-Erfassung
  • Weniger manuelle Prozesse, dafür mehr Automatisierung
  • Datenabgleich an einer Erfassungsstation in Echtzeit

Einsatz von Artikelnummern und allgemeine Vorteile

Jenseits der Durchdringung von Artikelnummern entlang einer Wertschöpfungskette und einer betriebsinternen Nutzung lassen sich allgemein diverse Vorteile von Artikelnummern ableiten, insbesondere im Handel, sowohl stationär als auch online. Artikelnummern gewährleisten und ermöglichen:

  • Die einwandfreie, eindeutige Artikeldefinition
  • Die Vermeidung von Produktverwechslungen
  • Die Automatisierung der Lagerhaltung
  • Die Optimierung des Warenverkehrs
  • Die globale Standardisierung

Insbesondere beim E-Commerce, also im Online-Handel, ist die Artikelnummer Voraussetzung, um auf Plattformen und Marktplätzen wie beispielsweise Amazon gelistet zu werden und dort verkaufen zu können. In Distributionszentren beziehungsweise -systemen können verschiedene Artikelnummern auch den gleichen Artikel an unterschiedlichen Standorten (Lagerorten) bezeichnen. Neben dem Einsatz bei der Lagerhaltung und der entsprechenden betriebsinternen Bestandssteuerung kommen Artikelnummern auch an Scannerkassen zum Einsatz, wo sie in das Warenwirtschaftssystem eingelesen werden, um Artikel beim Verkauf erfassen und abrechnen zu können.

Person scanning a Barcode from a barrel in a warehouse. Author: https://www.pexels.com/de-de/@tiger-lily
Scanner werden häufig gekoppelt an mobile Datenterminals eingesetzt. Auto TigerLily

Zusammenfassung

Artikelnummern und die entsprechenden Artikelnummersysteme dienen dazu, betriebsintern oder überbetrieblich, Artikel eindeutig zu identifizieren oder zu klassifizieren. Dadurch wird es ermöglicht, den Warenfluss zwischen Industrie, Handel und Verbrauchern zu rationalisieren sowie geschlossene Warenwirtschaftssysteme zu steuern und effizienter zu machen. Die am weitesten verbreitete Artikelnummer ist die EAN (European Article Number), die als Strichcode beziehungsweise Barcode mittels eines Etiketts auf dem Produkt angebracht ist und somit maschinenlesbar wird. Mittlerweile wurden das EAN-System und das nordamerikanische Pendant UPC (Universal Product Code) zur GTIN zusammengeführt, der Global Trade Item Number. Trotz der Begriffsänderung wird die Bezeichnung EAN noch immer synonym benutzt. Mit der GTIN kann jedes Produkt beziehungsweise jede Produktvariante eindeutig und weltweit identifiziert werden. Überall, wo Produkte einer automatischen Erfassung und Verarbeitung unterliegen und gekennzeichnet werden müssen, kommt sie zum Einsatz. Sie bildet einen zentralen Baustein der Warenwirtschaft und ermöglichst es, Versorgungs- und Lieferprozesse zielgerichtet zu steuern. Artikelnummern durchdringen heute somit die gesamte Wertschöpfungskette, von der Lagerhaltung über die Produktion bis zum Verkauf.

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TUP - Redaktion

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