25. November 2019

Belegungsstrategien für Lager- und Kommissioniersysteme / Lagerbetriebsstrategien

In einem Unternehmen ist es wichtig, vor der Entwicklung von Strategien, Ziele festzulegen und deren Widerspruchsfreiheit und Erreichbarkeit stetig zu kontrollieren. In der Logistik gibt es Strategien, um neue Systeme zu planen, deren Umsetzung zu realisieren und, um bereits existierende Systeme im laufenden Betrieb zu optimieren. Zu diesen Zwecken werden unter anderem Nutzungs- und Belegungsstrategien eingesetzt. Je nachdem, ob zum Beispiel das Ziel eine Transportoptimierung oder eine Flächenminimierung ist, wird in der jeweiligen Strategie eine unterschiedliche Anordnung von Funktionsbereichen eines Lagers bestimmt.

Belegungsstrategien gehören zu den Betriebsstrategien für Lager- und Kommissioniersysteme. Durch die Planung eines neuen Lager- und Kommissioniersystems sollen die Leistungen und Kosten von Kommissioniersystemen bewertet und die Investitions- sowie zukünftigen Betriebskosten reduziert werden.

Allgemein können die Betriebsstrategien auf folgende Weise eingeteilt werden:

  • Belegungsstrategien
  • Bearbeitungsstrategien
  • Bewegungsstrategien
  • Entnahmestrategien
  • Nachschubstrategien
  • Leerfahrtstrategien

Mittels Belegungsstrategien sollen eine optimale Platznutzung, kurze Wege und ein geringer Nachschubaufwand erzielt werden.

Auf welchem Platz und in welcher Lagerzone sich Einheiten befinden, kann dabei durch folgende Belegungsstrategien festgelegt werden:

  • Schnellläuferkonzentration
  • Feste Lagerplatzordnung
  • Freie Lagerplatzordnung
  • Zonenweise feste Lagerordnung
  • Gleichverteilungsstrategie
  • Platzanpassung
  • Artikelreine und chargenreine Platzbelegung
  • Artikelgemischte Platzbelegung
  • Minimieren von Anbruchlagerplätzen

In Verbindung mit den Bewegungsstrategien vertragen sich nicht alle Belegungsstrategien. Die Bewegungsstrategie Fahrwegstrategie kann zum Beispiel nicht gleichzeitig mit der Schnellläuferstrategie umgesetzt werden. Um den gewünschten Strategie-Effekt zu erreichen, sollen nur miteinander verträgliche Strategien umgesetzt werden. Ansonsten würde unnötiger Programmieraufwand zu uneffektiven Arbeitsabläufen führen. Vor der Realisierung der Betriebsstrategien muss daher geprüft werden, ob die ausgewählten Strategien miteinander kompatibel sind und somit sinnvoll eingesetzt werden können.

Im Folgenden werden die oben erwähnten Belegungsstrategien näher beschrieben:

Belegungsstrategien: Schnellläuferkonzentration

Die Schnellläuferkonzentration ist eine Belegungsstrategie, mit der festgelegt werden soll, auf welchem Platz und in welcher Lagerzone Einheiten gelagert und bereitgestellt werden. Mittels Belegungsstrategien sollen eine optimale Platznutzung, kurze Wege und ein geringer Nachschubaufwand erzielt werden. Werden beispielsweise stark nachgefragte Produkte in die Nähe der Kommissionierzone eingelagert, kann dadurch die Umschlagleistung gesteigert werden. Dabei wird zwischen der dynamischen oder statischen Bereitstellung der Waren unterschieden.

Ansicht eine Kommissionierbereichs in einem Lager

Je weniger Zeit die Artikel bis zur Kommissionierzone brauchen, desto kleinteiliger kann die Auslastung gesteuert werden.

Die Schnellläuferkonzentration ist eine Strategie, um die Fahrwege der Lagergeräte und die Strecken der Kommissionierer zu optimieren. Die Fahrwege der Lagergeräte sollen gesenkt werden, indem die Einheiten schnell umschlagender Artikel an einem Platz gelagert werden, auf den ein schneller Zugriff erfolgen kann. Abhängig davon, ob es sich um eine statische oder eine dynamische Warenbereitstellung handelt, wird ein bestimmter Platz ausgewählt.

Schnellläuferkonzentration bei statischer Warenbereitstellung

Die statische Bereitstellung bezeichnet die Mann-zur-Ware Kommissionierung, das heißt, dass ein Kommissionierer die benötigte Ware direkt am Lagerplatz entnimmt. Auf die Einheiten schnell umschlagender Artikel wird daher nahe der Basis des Bereitstelllagers zugegriffen.

Schnellläuferkonzentration bei dynamischer Warenbereitstellung

Die dynamische Bereitstellung bezeichnet die Ware-zum-Mann Kommissionierung. Der Kommissionierer arbeitet dabei seinen Kommissionierauftrag innerhalb einer Lagerzone ab. Über Fördermittel werden die Einheiten zum Kommissionierer transportiert. Die Zugriffseinheiten schnell umschlagender Artikel werden hierbei in der Nähe von Ein- und Auslagerplätzen des Bereitstelllagers abgestellt.

Bei der Schnellläuferkonzentration ist während der Kommissionierung eine Einsparung der Wegzeit bis zu 30 Prozent und eine Leistungsverbesserung bis zu 10 Prozent möglich. Inwieweit es möglich ist, diese Prozentwerte zu erreichen, ist von der ABC-Verteilung, der Breite des Sortiments, davon wie die Zugriffsplätze angeordnet sind und der gewählten Bewegungsstrategie abhängig. Die Gefahr, beziehungsweise nachteilig an der Schnellläuferkonzentration ist, dass die nah beieinanderliegenden Bereitstellplätze die Kommissionierer gegenseitig behindern können.

Belegungsstrategien – Feste vs. Freie Lagerplatzordnung

Bei der festen Lagerplatzordnung wird der maximal zu erwartende Lagerbestand für einen Artikel ermittelt und die dafür nötigen Lagerplätze fest reserviert. Bei der freien Lagerplatzordnung werden Lagerplätze für eine Ladeeinheit genutzt, sobald sie frei geworden sind. Für die Nutzung der freien Lagerplätze ist es irrelevant, welcher Artikel zuvor auf dem Platz gelagert wurde.

Durch die Reservierung des Platzes für bestimmte Artikel müssen bei der festen Lagerplatzordnung Plätze freigehalten werden, die nicht für andere Artikel verwendet werden können. Die feste Lagerplatzordnung macht zum Beispiel Sinn im Bereitstellbereich von Kommissionierlagern. Bei einer festen Lagerplatzordnung innerhalb definierter Zonen sollte darauf geachtet werden, dass nur so viele Zonen wie nötig geschaffen werden, da der Platzbedarf ansonsten sehr hoch sein kann. Vorteil von festen Lagerplätzen ist, dass der Lagerort schnell und ohne Systemsteuerung bestimmt werden kann.

Für die Platzverwaltung bei freier Lagerordnung ist ein Lagerverwaltungssystem erforderlich. Vorteile der freien Lagerordnung sind kürzere Wege und die bestmögliche Nutzung der Lagerkapazität, da es nicht nötig ist, Lagerflächen zu reservieren. Bei der Einlagerung von Gütern können direkt die ersten freien Plätze genutzt werden, ohne dass das ganze Lager durchfahren werden muss, um an den dafür vorgesehenen Lagerplatz zu gelangen.

Belegungsstrategie: Gleichverteilungsstrategie

Eine weitere Strategie, nach der ein Lager belegt werden kann, ist die Gleichverteilungsstrategie. Dabei werden identische Artikel auf verschiedene Gassen verteilt, so dass in jeder Gasse ein Zugriff auf die entsprechende Ware möglich ist.

Auf welchem Lagerplatz und in welcher Lagerzone sich Einheiten befinden, hängt vom jeweiligen Ziel der Belegungsstrategie ab. Mit jeder einzelnen Strategie wird also ein anderes Ziel verfolgt. Das Ziel der Gleichverteilungsstrategie ist die Gewährleistung einer maximalen Zugriffssicherheit.

Belegungsstrategie: Lagerplatzanpassung

Wird das Lager nach der Strategie der Lagerplatzanpassung befüllt, dann heißt das, dass die Lagerplätze gemäß ihren Kapazitäten mit Einheiten belegt werden. Kleine Lagerplätze werden also mit kleinen Lagereinheiten und geringem Artikelbestand belegt und große Lagerplätze mit großen Lagereinheiten und hohem Bestand von Artikel.

Belegungsstrategie: artikelreine vs. artikelgemischte Platzbelegung

Die artikelreine Platzbelegung zeichnet sich dadurch aus, dass Lagerplätze mit mehreren Stellplätzen nur mit Ladeeinheiten der ‚gleichen‘ Artikel belegt werden dürfen. ‚Gleiche‘ Artikel sind zum Beispiel T-Shirts oder Fahrradrahmen in der gleichen Größe. Im Lagerverwaltungssystem können die Artikel durch eine Identifikationsnummer oder einen Barcode als ‚gleiche Artikel‘ gekennzeichnet werden. Hingegen werden bei der artikelgemischten Belegung von Lagerplätzen die Stellplätze mit Einheiten von verschiedenen Artikeln belegt.

Vorderansansicht eines Lagerregals mit Holzartikeln

Artikelreine und artikelgemischte Platzbelegung sind klassische Belegungsstrategien.

Die artikelgemischte Platzbelegung wird oftmals als Notlösung durchgeführt, wenn die Lagerplätze knapp werden. Dass grundsätzlich die Möglichkeit besteht, eine solche Notlösung ergreifen zu können, ist ein Vorteil. Allerdings finden bei der artikelgemischten Platzbelegung mehr Lagerbewegungen statt, was zu einem höheren Gerätebedarf führt als bei der artikelreinen Platzbelegung. Schließlich müssen bei der artikelgemischten Platzbelegung womöglich erst Ladeeinheiten eines Artikels bewegt werden, um an die Ladeeinheiten eines anderen Artikels zu gelangen. Damit keine Probleme in der Verwaltung der Lagerplätze entstehen, benötigt die artikelgemischte Platzbelegung einen erhöhten Planungsbedarf.

Belegungsstrategie: Minimierung von Anbruchlagerplätzen

Je nachdem, ob das Ziel eine Transportoptimierung oder eine Flächenminimierung ist, wird bestimmt auf welchem Lagerplatz und in welcher Lagerzone sich Einheiten befinden. Es kann vorkommen, dass der verfügbare Platz auf einem Lagerplatz nicht genügt. In dem Fall wird die Ware dann auf mehrere Lagerplätze verteilt und es entstehen sogenannte Anbruchlagerplätze. Ladeeinheiten, die sich in Lagerfächern, die nicht voll befüllt sind, befinden, werden wieder zuerst ausgelagert. Mit dieser Belegungsstrategie soll in einem Mehrfachplatzlager der Füllungsgrad verbessert und ein Anbrechen von mehr als einem Lagerplatz pro Artikel vermieden werden.

Zusammenfassung

In einer Belegungsstrategie wird bestimmt, wie die Funktionsbereiche eines Lagers angeordnet sind. Sie wirkt sich auch darauf aus, welche Leistungen in einem Lager erbracht werden können und welche Kosten dafür anfallen; mittels der Belegungsstrategie sollen also Investitions- und Betriebskosten reduziert werden. Eine korrekte Planung und Belegung eines Lagers sind nicht nur im Sinne einer Optimierung sehr wichtig. Wird eine falsche Belegungsstrategie angewandt, ist mit einem mangelhaften Lagerbetrieb zu rechnen. Beispielsweise können Platzmangel, geringer Füllungsgrad, Engpässe bei der Ein- und Auslagerung sowie schlechte Flächennutzung den Materialfluss und alle daran gekoppelten Prozesse stören.

Über TUP - Redaktion

TUP - Redaktion

Die Redaktion der DR. THOMAS + PARTNER GmbH & Co. KG hat die Plattform Logistik KNOWHOW ins Leben gerufen, administriert und koordiniert die Beiträge und erstellt selbst Inhalte zu verschiedenen Kategorien. Die Software-Manufaktur DR. THOMAS + PARTNER aus dem Raum Karlsruhe realisiert seit über 35 Jahren maßgeschneiderte Intralogistik-IT-Systeme, mit speziellem Fokus auf die Bereiche Lagerverwaltung und Materialfluss. Zu den namhaften Kunden zählen nationale und internationale Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branche.

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