Studie: LKW auf Schienen – ELANS, die AutoBahn der Zukunft?

Wie wäre es, längere Strecken mit dem LKW zurück zu legen ohne zu lenken? Und das umweltfreundlich, kostenneutral und mit einer durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit, welche um ein Drittel höher liegt als auf Autobahnen möglich? Unter anderem diese Fragen gingen dem Projekt ELANS voraus. ELANS ist ein Akronym für Entwicklungsprojekt LKW-Verkehr auf neuen Schienen. In einer Vorstudie wurde jetzt die technische und wirtschaftliche Machbarkeit dieses neuen Verkehrssystems an einem, mit Güterverkehr hoch belasteten Abschnitt der Autobahn A6 exemplarisch untersucht.

Im Juli 2014 fiel der Startschuss des Vorhabens in München mit der Förderung des Projekts durch die dortige Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr. Unter Federführung des Instituts für angewandte Logistik (IAL) an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt sowie des Initiators und Ideengebers des Projekts, Herrn Dipl.-Ing. Wilhelm Köhler, nahm ein Konsortium von Experten aus Wissenschaft und Praxis die Arbeit auf. Dazu gehören die Spedition Geis Eurocargo GmbH und Gauff Rail Engineering aus Nürnberg, das CERSS Kompetenzzentrum Bahnsicherungstechnik aus Dresden in Zusammenarbeit mit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg, sowie SPL Powerlines Germany GmbH aus Forchheim.

Die Idee von ELANS

Grundidee von ELANS ist die Verlagerung des Güterverkehrs von hochbelasteten Autobahnen auf völlig neue, neben den Autobahnen zu errichtende Güterbahnsysteme. Diese neuen Bahnstrecken sind unabhängig vom vorhandenen DB-Netz und erreichen durch den Einsatz modernster Verladetechnologie, sowie weitestgehender Automatisierung des Betriebs, eine im Vergleich zur Autobahn deutlich höhere durchschnittliche Reisegeschwindigkeit. Durch die Positionierung der Verladestationen neben ausgewählten Autobahnanschlussstellen können dabei auch wie bisher die Regionen entlang der Strecke bedient werden.

ELANS_LKW-Verkehr auf_neuen_Schienen

Verkehrsmessung als Grundlage

Referenzabschnitt für das ELANS-Konzept ist der knapp 200 Kilometer lange Abschnitt der Autobahn A6 zwischen dem Kreuz Nürnberg-Süd und dem Kreuz Walldorf. Um im ersten Schritt grundlegende Verkehrsdaten des mautpflichtigen LKW-Verkehrs auf diesem Abschnitt zu erhalten, wurde eine zweiwöchige elektronische Verkehrszählung durchgeführt. Die erhobenen Daten wurden anschließend mit den Daten der Dauerzählstellen in Bayern und Baden-Württemberg abgeglichen und unter Verwendung bereits bestehender Gutachten und Studien zur zukünftigen Verkehrsentwicklung für das Jahr 2030 extrapoliert. Die Ergebnisse bildeten die Grundlage für die Ausgestaltung des Systems.

Streckenführung und Betriebskonzept

Für die Untersuchung wurde im Rahmen des Projekts eine parallel zur A6 verlaufende Bahntrasse einschließlich aller baulichen Maßnahmen konzipiert und kalkuliert. Zwischen den Endstationen Nürnberg-Süd und Walldorf sind insgesamt vier Zwischenstationen (durchschnittlich alle 35 Kilometer) geplant, welche die Möglichkeit bieten, individuell auf- und abfahren zu können. Aufbauend auf der Trassierung wurde ein Betriebs- und Sicherheitskonzept entwickelt, welches den hohen Ansprüchen von ELANS in puncto Verfügbarkeit, Zugtaktung und Reisegeschwindigkeit gerecht wird. So erfolgt der Bahnbetrieb bei ELANS fahrerlos unter Verwendung modernster Standards und bewährter Leit- und Sicherungstechnik.

Die Vorteile von ELANS

Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Arbeiten zur Ermittlung der technischen und wirtschaftlichen Machbarkeit von ELANS weit fortgeschritten. Das für das Jahr 2030 hochgerechnete Verkehrsaufkommen mautpflichtiger LKW, welches aufgrund der ermittelten Reiseweiten vorteilhaft auf das ELANS-System verlagert werden könnte, liegt bei rund 87.000 LKW pro Woche. Bei der gemessenen durchschnittlichen Reiseweite von 135 km pro LKW ergibt sich ein durchschnittlicher Reisezeitvorteil von fünf Minuten. Zu- und Abfahrt, Be- und Entladevorgang sowie Wartezeiten sind darin bereits enthalten. Alle vier Kilometer, die ELANS weiter genutzt wird, ergibt sich eine Minute Zeitersparnis gegenüber einer regulären Autobahnfahrt – und das unabhängig von witterungs- und verkehrsbedingten Verzögerungen. Die auf dem Zug verbrachte Zeit kann zudem als Lenkzeitunterbrechung im Sinne der Verordnung über die Lenk- und Ruhezeiten innerhalb der Europäischen Gemeinschaft genutzt werden.

Die Kosten

Kostentechnisch ist es Ziel von ELANS eine finanzielle Mehrbelastung der Nutzer zu vermeiden. Geplant ist, dass die für die Nutzung des Systems anfallende Gebühr durch die erzielten Einsparungen (z.B. bei Maut, Treibstoffverbrauch, verschleißabhängigen Kosten) im Schnitt gedeckt wird. Entsprechende Szenarien für einen wirtschaftlichen Betrieb des Systems werden aktuell erarbeitet. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Untersuchung möglicher öffentlich-privater Partnerschaften (ÖPP).

Erforschung der Nutzerakzeptanz

Die Machbarkeit des Systems steht und fällt jedoch insbesondere auch mit der Akzeptanz durch die Nutzer. Neben politischen Zielen und gesellschaftlichem Willen ist diese entscheidend.

Neben allen potentiellen Rahmengrößen ist es wichtig zu erfahren, wie mögliche Kunden des Systems dieses einschätzen. Speditionen, Verbände und Dienstleister aus der Branche werden deshalb um ihre Unterstützung in Form der Teilnahme an einer Akzeptanzbefragung gebeten. Teilnehmende erhalten dabei die Möglichkeit, weitere Details über das ELANS-Konzept zu erfahren.

Die Umfrage kann unter http://bit.ly/1Sjn4GT durchgeführt werden.


Kontakt:

Institut für angewandte Logistik (IAL)

Standort Würzburg Münzstr. 12 / 97070 Würzburg (Post) Münzstr. 19 / 97070 Würzburg (Besucher)
Telefon: +49 (0)931/3511-6350 E-Mail: ial@fhws.de

ELANS

Prof. Dr. Christian Bauer (Projektleiter)

Peter Walker
Telefon: +49 (0)931 3511-8552

 

Einen weiteren interessanten Ansatz zur Logistik der Zukunft finden Sie im Beitrag Physical Internet.

Bildquellen: Teaser, © geralt, Lizenz CC0 Public Domain; Artikelbild © ELANS

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on LinkedInShare on Google+Email this to someone
War dieser Artikel hilfreich?
TUP - Redaktion (http://www.tup.com)
Die Redaktion der DR. THOMAS + PARTNER GmbH & Co. KG aus Karlsruhe hat die Plattform Logistik KNOWHOW ins Leben gerufen, administriert und koordiniert die Beiträge und erstellt selbst Inhalte zu verschiedenen Kategorien. Das Familienunternehmen DR. THOMAS + PARTNER realisiert seit über 30 Jahren modulare Intralogistik-IT-Systeme für nationale und internationale Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branche.

4 Kommentare

….. gratuliere zu diesem exzellenten Artikel mit hochinnovativen Mitteln und Methoden.

Univ.-Lektor Doz. Ernst Kurzmann, MBA

 

Ich hätte mir gewünscht zu erfahren, wie man das Bahnnetz in diese innovative Lösung einbinden könnte. Dort liegt doch erhebliches Potential über die regional begrenzte Betrachtung von “durchschnittlich 135 km” hinaus. Immerhin sind scheinbar Projektpartner mit der Bezeichnung “Bahn” im Firmennamen vertreten, was hoffen lässt.
Die genannte “Unabhängigkeit vom Bahnnetz” deutet zunächst aber nicht darauf hin.

Zudem wäre interessant zu erfahren welchen Anteil das als “vorteilhaft auf das ELANS-System” bezifferte Güteraufkommen in 2030 am Gesamtaufkommen auf den untersuchten Strecken hat. Dimensionen zur Einordnung des Potentials wären hier hilfreich.

Der Artikel lässt meines Erachtens einige wichtige, erfolgsabhängige Fragen offen.

 

Guten Tag Herr Hirsch,

vielen Dank für Ihre Anregungen. Wir haben Ihre Fragen an das Institut für angewandte Logistik weitergeleitet und hoffen, diese so zeitnah klären zu können.

Viele Grüße
Andreas Plöger

 

Sehr geehrter Herr Hirsch,

vielen Dank für Ihre Anmerkungen. Das skizzierte Güterverkehrskonzept wird im Rahmen der aktuell laufenden Studie in der Tat nur für den exemplarisch gewählten Streckenabschnitt der BAB A6 zwischen Nürnberg-Süd und Walldorf untersucht. Ziel ist es, erste Aussagen über die grundsätzliche technische und wirtschaftliche Machbareit eines solchen Systems, auch für relativ kurze Distanzen, treffen zu können. Die bisherigen Untersuchungen zeigen, dass bereits bei einer durchschnittlichen Reiseweite von 135 km Vorteile enstehen, die bei längeren Transportstrecken entsprechend skalieren.

Die von Ihnen angeregte Einbindung in das bestehende Bahnnetz wird derzeit als problematisch betrachtet. Wesentliche Bestandteile von ELANS sind der vollautomatische, fahrerlose Betrieb, ein innovatives, schnelles Verladesystem mit speziellen Verladebahnhöfen sowie eine sehr enge Zugtaktung von zwei Minuten und weniger. Diese sehr hohen Ansprüche an das Betriebs- und Sicherheitskonzept lassen sich nach aktuellem Stand nur auf Trassen realisieren, die ausschließlich für den Gütertransport durch dieses System vorgesehen sind.

Zur Leistungsfähigkeit des Systems kann nach aktuellem Stand ausgeführt werden, dass unter der Maßgabe des wirtschaftlichen Betriebs das System für die Referenzstrecke auf der BAB A6 so dimensioniert wurde, dass gut 75 Prozent des auf der Strecke gemessenen und auf das Jahr 2030 hochgerechneten mautpflichtigen LKW-Verkehrs vorteilhaft bedient werden könnten.

Beste Grüße,

Prof. Dr. Christian Bauer
IAL – Institut für angewandte Logistik

 

Kommentar

Dies ist eine Pflichtangabe*