6. Juni 2014

Transparenz – die Königsdisziplin von APS-Systemen

Das herausragende Merkmal von APS-Systemen ist die übergreifende Planung von Wertschöpfungsketten. Eine Steuerung der Fertigung mit einem Optimierer als Black Box ohne hinreichende Eingriffsmöglichkeiten führt nicht zu zufriedenstellenden Ergebnissen. Die Grundvoraussetzung für interaktive Eingriffe ist zugleich die Königsdisziplin für APS-Systeme: Die transparente Darstellung der Planungssituation.

Hierfür ist es erforderlich, die Information richtig zu portionieren. Sie muss leicht verständlich dargestellt werden und es dürfen weder zu viele noch zu wenige Informationen sein. Dabei sind dynamische Filtermöglichkeiten (z. B. auf den kritischen Pfad) sowie kontextsensitive Skalierungen von großer Bedeutung. Um dennoch jedes Detail in Erfahrung bringen zu können, ist eine Aggregation über mehrere Ebenen empfehlenswert, wobei die oberste Ebene die wesentlichen Kenngrößen – logistische und betriebswirtschaftliche – des Planes enthalten sollte.

Grundlage für eine Planungstransparenz

Grundlage der Planungstransparenz ist eine dem Wertschöpfungsprozess angemessene Datenstruktur.
Hierzu zählen u. a.:

  • Integration von Konstruktions- und Qualitätssicherungsprozessen
  • Realitätsnahe Modellierung von Produktionsprozessen (z. B. Parallelvorgänge) und Branchenspezifika (z. B. Haltbarkeiten)
  • Praxisgerechte Modellierung der Durchlaufzeit

Der Ansatz, dass sich Durchlaufzeiten aus der Terminierung der Belastung ergeben und dank detaillierterer Planung und komplexerer Planungsalgorithmen auf Terminpuffer verzichtet werden kann, erweist sich in der Regel als nicht tragfähig. Da nur die wenigsten Planer auf Terminpuffer verzichten, wird dieser Ansatz beispielsweise durch einen verminderten Nutzungsgrad der Ressource unterlaufen – mit dem Nachteil, dass der Terminpuffer nicht mehr transparent ist und auch nicht mehr auftragsindividuell reduziert werden kann.

APS und die Nachvollziehbarkeit

Nachvollziehbarkeit wird häufig in einem Atemzug mit Transparenz genannt. Für eine kapazitätsunabhängige Terminierung gilt diese Forderung auch uneingeschränkt. Sobald jedoch Kapazitätsgrenzen berücksichtigt werden – sei es durch eine Optimierung, durch eine CTP-Prüfung oder durch Einplanungsregeln (mit mehr als einem Auftrag) – wird es für einen beliebig ausgewählten Auftrag i. a. nicht möglich sein, nachzuhalten, warum welcher Vorgang wie geplant wurde. Besonders in diesen Fällen ist es erforderlich, von der Einzelbetrachtung der Aufträge abzurücken und den Plan als Ganzes hinsichtlich seiner Plausibilität und seiner Problemfälle zu betrachten. Um die Transparenz über den gesamten Plan zu erhalten, ihn bei Bedarf bis ins geringste Detail zu analysieren und schnell die Ursache für Abweichungen zu finden, sind besonders hohe Anforderungen an die Visualisierung und Informations-aufbereitung zu stellen.

APS und die Eingriffsmöglichkeiten

Transparenz schafft die Voraussetzung dafür, dass der Planer mit seinem situativen Erfahrungswissen adäquate Lösungen für Planungsprobleme finden kann. Zur Umsetzung muss das APS-System aber darüber hinaus auch die Eingriffs-möglichkeiten zur Verfügung stellen.

Möchte ein Planer beispielsweise einen Kundentermin, der vom Optimierer in die Zukunft verschoben wurde, dennoch halten, könnte er folgende Eingriffe vornehmen:

  • Kundenauftrag vorziehen
  • Fertigungsauftrag für Fertigprodukt vorziehen
  • Kapazität erhöhen
  • Losgrößensplit bei Fertigungsauftrag für Baugruppe
  • Änderung der Zuordnung einer Engpasskomponente

Wichtig ist, dass die Auswirkungen direkt berechnet werden und auch in allen Auswertungen sichtbar sind. Ein anderer wesentlicher Aspekt ist, dass diese Schritte einfach handhabbar sind. Es ist beispielsweise nicht in allen APS-Systemen möglich, auf einfache Weise eine Kapazitätsanpassung vorzunehmen, Engpasskomponenten einfach nach betriebswirtschaftlichen Kriterien des verursachenden Kundenauftrages zuzuordnen oder Termin- und Mengenänderungen von Fertigungsaufträgen an das ERP-System zu übergeben. Sind aber Eingriffe nur kompliziert und mit hohem Aufwand durchführbar, besteht die Gefahr, dass am System vorbei geplant wird. In der Folge entfernt sich das Abbild im System immer weiter von der Wirklichkeit, mit der Konsequenz, dass das APS-System irgendwann nicht mehr verwendet wird oder dessen Planungsvorgaben nicht mehr beachtet werden.

Idealerweise wird der Planer durch Szenarien unterstützt, in denen er Eingriffe ausprobieren kann, ohne dass sie operativ wirksam werden. Es sollte möglich sein, das Szenario mit der operativen Planung zu vergleichen und – falls erwünscht – die Planungsschritte des Szenarios auf Knopfdruck in die operative Planung zu übernehmen.

Weitere Informationen zum Thema Wertschöpfungskette und logistische Planung finden Sie unter ‚Die Logistikkette einer Wertschöpfungskette‚ sowie unter ‚Supply-Chain-Management‚.

Bildquelle: Wassermann AG

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