11. März 2015

Welche Anforderungen ein APS-System erfüllen muss – Teil I

Viele Unternehmen richten ihre Fertigung auf individuelle Kundenanforderungen aus. Supply-Chain- und Produktionsplanungsprozesse werden dadurch immer komplexer. Mit dem richtigen Advanced-Planning- und -Scheduling-(APS-)System können dem Kunden dennoch verbindliche Liefertermine zugesagt werden.

Die flexible Fertigung individualisierter Produkte als Gegenentwurf zur „dilettantischen“ Massenproduktion ist in vielen Branchen bereits Realität. Im Maschinen- und Anlagenbau sowieso, aber selbst in der Prozessindustrie und in der Serienfertigung müssen Materialflüsse und Fertigungskapazitäten auftragsbezogener und in engeren Terminrahmen geplant werden. Weil ERP-Systeme zur Erzeugung täglicher „Kontostände“ mit Batch-Processing arbeiten, eignen sie sich nur bedingt für Planungsaufgaben.

Die parallele Datenhaltung und der Wildwuchs individueller Excel-Tools

Bei der Analyse der Praxis in Unternehmen zeigt sich dies sehr häufig am deutlichsten durch einen Wildwuchs individueller Excel-Tools und einer daraus entstehenden parallelen Datenhaltung. Die Folge: Details der Planung werden dann nicht mehr im ERP-System gepflegt und die Stammdatenqualität sinkt kontinuierlich.

Die Auswirkungen einer Entscheidung erst nach dem nächsten Batch-Lauf sehen? Für eine flexible Planung ist dies keine Option. Die wichtigste Fähigkeit, die ein Planungstool mitbringen muss, ist die Echtzeitfähigkeit. Ein In-Memory-System, das ohne externe Datenbank auskommt, kann genutzt werden, um verschiedene Varianten zum Beispiel der Maschinenbelegung oder Materiallieferung durchzuspielen und sofort in den Auswirkungen zu überblicken. APS-Systeme müssen komplexe Zusammenhänge simulieren können.

Basis dafür sind die Stammdaten aus dem ERP-System, deren Qualität natürlich einen Einfluss auf die Genauigkeit der Planung hat. Gerade Auftragsdurchlaufzeiten, die Dauer von Rüstwechseln oder Qualitätsprüfungsprozessen müssen hinterlegt sein, um zutreffende Terminplanungen machen zu können. Das Planungstool muss so unabhängig vom ERP sein, dass alternative Szenarien gepflegt werden können. Gleichzeitig muss es über eine Schnittstelle verbunden sein, die nicht nur den Import von Daten ermöglicht, sondern auch das Zurückschreiben der Planungsergebnisse.

APS: Komplexität beherrschbar machen

Für flexible Supply Chains, die beispielsweise die Produktions- und Lagerkapazitäten mehrerer Standorte umfassen, benötigt ein Planer Tools, die helfen die daraus entstehende Komplexität zu beherrschen. Die Visualisierungs- und Filtermöglichkeiten eines APS-Systems müssen den direkten interaktiven Zugriff in komplexen Auftragsnetzen ermöglichen. Details, die nicht zur aktuellen Fragestellung und Lösungsfindung beitragen, sollten systematisch ausgeblendet werden können. Umgekehrt muss es möglich sein, aus der Gesamtheit der Abläufe und Belastungen alle Prozesse herauszufiltern, die durch ein Ereignis beeinflusst werden. Das kann zum Beispiel einen Engpass bei einem bestimmten Material betreffen oder Arbeitsvorgänge, die terminlich von einer Betriebsruhe oder erforderlichen Wartungsarbeiten betroffen sind. Belastungsspitzen oder Optimierungspotenziale müssen auf einen Blick erfassbar sein. Verschiedene Auftragstypen oder der jeweilige Status werden dabei meist über Farbschemata visualisiert. Ziel ist immer eine weitgehend automatisierte Planung, in der aber jederzeit sichtbar ist, wo individuelle planerische Entscheidungen nötig sind.

Die Fortsetzung dieses Beitrags finden Sie unter Welche Anforderungen ein APS-System erfüllen muss – Teil II.

Bildquelle: © KUKA Aktiengesellschaft

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