17. Februar 2020

Definition und Überblick zum Warenausgang in der Intralogistik

So wie beim Wareneingang handelt es sich beim Warenausgang um eine Schnittstelle zwischen inner- und außerbetrieblicher Materialwirtschaft. Hierbei werden Waren aus dem Lager bereitgestellt, Qualität sowie Identität (nochmals) kontrolliert und die erforderlichen Dokumente erstellt.

Fertige Packstücke landen im Warenausgang und durchlaufen auf der Ausgangsseite, in Abhängigkeit von der Vielfalt der zu bedienenden Frachtführer und Ausgangsrelationen, unterschiedliche Abläufe. Im Kern ist die Gemeinsamkeit, dass die Packstücke einer Sendung bis zum Abfahrtzeitpunkt des Lkws (Cut-off-Zeit) abgefertigt und verladen sein müssen. Als zentraler Faktor der Auftragspriorisierung wirkt sich die Cut-off-Zeit bis in die Disposition, anschließend auch Batchbildung und Kommissionierung, aus. Wird die Cut-off-Zeit durch die Abfahrtszeit des KEP-Dienstleisters bestimmt, so hat dies also Auswirkungen auf die gesamte Prozesskette.

Prozesse im Warenausgang

Insbesondere bei einer Aufteilung der Kommissionierung auf mehrere Lagerbereiche hat der Warenausgang eine Konsolidierungsfunktion (= Zusammenführung aller Teile einer Sendung). Diese Aufgabe ist im einfachsten Fall durch verschiedene Sammlungen der Packstücke auf Bereitstellflächen im Warenausgang gelöst, die zum Beispiel Postleitzahlenbereiche zu Zielrelationen zusammenfassen. Im Extremfall kann durch Umsortieren auf einer komplexen Fördertechnik eine Ladung in einer vorher geplanten Beladereihenfolge so vorbereitet werden, dass die eigentliche Beladung der Lkws vollautomatisch erfolgt.

Neben der Abfertigung der eigenen Kommissionierung müssen gegebenenfalls Bypass-Anteile aus Wareneingang oder Produktion zugesteuert oder Fremdware unbekannten Inhalts integriert werden.
Sofern nicht schon im Verlauf der vorgelagerten Tätigkeiten erledigt, sind spätestens vor der Verladung die auf der Ausgangsseite benötigten Belege und Labels zu erzeugen und beizufügen.
Dies sind:

  • Lieferschein / Rechnung je Sendung
  • NVE-Labels / Adressaufkleber je Packstück
  • Ladelisten
  • Weitere Warenbegleitpapiere wie beispielsweise Zolldokumente

Abschließend findet auf der Ausgangsseite, eventuell im Zuge der Verladung, nochmals eine Warenausgangserfassung statt, mit deren Hilfe eine letzte Kontrolle auf Vollständigkeit ermöglicht wird. Um in Zusammenarbeit mit dem Spediteur oder Paketdienst eine Sendungsverfolgung realisieren zu können, sind die Sendungs- beziehungsweise Packstückdaten gegebenenfalls den betroffenen Spediteuren per DFÜ (Datenfernübertragung) zu avisieren („dispatch advice“ oder „dispatch note“).

Warenausgang – Prozessschritte

Die Prozessschritte, die im Zuge des Warenausgangs durchgeführt werden, umfassen: Einheiten konsolidieren, Paket generieren, Zielpapiere anfertigen, Pakete konsolidieren, Versendung vorbereiten und Pakete übergeben. Ziele des Versands sind es, eine schnelle Durchlaufzeit zu schaffen und eine sinnvolle Konsolidierung zu erreichen.

Im ersten Prozessschritt werden die Versandeinheiten sortiert und im zweiten Schritt als Einzelkartons oder Sammelkartons verpackt. Nach dem Ausdrucken der Zielpapiere findet eine finale Überprüfung auf Vollständigkeit statt. Für den Fall eines Fehlbestands besteht an dieser Stelle die abschließende Möglichkeit zur Korrektur. Durch die feine Verzahnung des Lagerverwaltungssystems mit dem kaufmännischen Rechner wird der Ist-Bestand der Versandeinheit an den Rechner gesendet und das kaufmännische System kann die Rechnung korrigieren. Anschließend werden die Pakete mit aktualisierten Lieferscheinen und Rechnungen aufgenommen und geroutet.

Am Ende dieses Geschäftsprozesses wird die Ware an KEP-Dienstleister, wie zum Beispiel UPS oder DHL, oder Spediteure übergeben und die Versandtour quittiert.

Warenausgang – Kennzahlen

Mittels entsprechender Lagerkennzahlen können die Wirtschaftlichkeit, Produktivität und Qualität des Warenausgangs beurteilt werden. Im Geschäftsprozess des Warenausgangs werden verpackte Artikel nach dem Hol-Prinzip vom Auftraggeber aufgesammelt beziehungsweise nach dem Bring-Prinzip dem Empfänger übergeben.
Für den Leitstand sind aus diesem Prozess die Anzahl der Packstücke und die Anzahl der versendeten Pakete per KEP, Spediteur und Express von Bedeutung.

Zur Messung der Versandziele spielen die Kennzahlen zu folgenden Vorgängen eine Rolle: Kapazitätsauslastung, Durchlaufzeit, Flächenverwendung, Arbeitsfortschritt, Anzahl der Pakete und die Anzahl korrigierter Rechnungen.

Empfänger der Kennzahlen sind der Logistik-Leiter, der Kommissionier-Leiter und weitere Mitarbeiter, die im Zuge des Versandprozesses eine Rolle spielen.

Warenausgang – Rechnung und Lieferschein

Bei der Rechnungserstellung ist die saubere Aufgabenteilung zwischen kaufmännischem und logistischem System zu beachten. Das logistische System verfügt zwar über die tatsächlichen Ist-Mengen der ausgelieferten Sendung, die Erzeugung beziehungsweise Korrektur der Rechnung ist jedoch immer alleinige Aufgabe der kaufmännischen EDV.

So ergibt sich hier der Zwang zu einer engen Verzahnung:

  1. Die Soll-Rechnung wird mit den Soll-Daten einer Sendung an das logistische System übermittelt.
  2. Bei einer Abweichung (Fehlmenge, Ausweichartikel et cetera) meldet das logistische System die Abweichung an das kaufmännische System. Das kaufmännische System aktualisiert die Daten und übergibt die neue Rechnung an das logistische System.
  3. Das logistische System hat dann die Aufgabe, diese Rechnung physisch der Ware beizusteuern, sie also am richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt auszudrucken.

Ergebnis dieser Mechanismen ist die Erstellung von Lieferscheinen und Rechnungen, die den tatsächlich ausgelieferten Positionen entsprechen und nicht nur dem statischen Sollwert des Host-Systems.

Zusammenfassung

Bei produzierenden Unternehmen und in Handelsbetrieben (auch Logistikzentren und Distributionszentren) werden Waren an die entsprechenden Kunden versendet, selbst ausgeliefert oder auch vom Kunden abgeholt. Dabei bildet der Warenausgang den letzten Bereich, bevor die Ware das Unternehmen verlässt. Dafür müssen die unterschiedlichen Teile einer Sendung zusammengeführt werden; darüber hinaus werden auch Lieferscheine, Rechnungen und weitere Warenbegleitpapiere erstellt und der Warenausgang sowohl im logistischen als auch im kaufmännischen System erfasst.

 

Weiterführende Informationen:

Konsolidierung

https://logistikknowhow.com/bestandsverwaltung/konsolidierung/

Wareneingang

https://logistikknowhow.com/geschaeftsprozesse-in-der-intralogistik/definition-und-ueberblick-zum-wareneingang-in-der-intralogistik/

 

Bildquelle: © Tomas Sereda – Fotolia.com

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Die Redaktion der DR. THOMAS + PARTNER GmbH & Co. KG hat die Plattform Logistik KNOWHOW ins Leben gerufen, administriert und koordiniert die Beiträge und erstellt selbst Inhalte zu verschiedenen Kategorien. Die Software-Manufaktur DR. THOMAS + PARTNER aus dem Raum Karlsruhe realisiert seit über 35 Jahren maßgeschneiderte Intralogistik-IT-Systeme, mit speziellem Fokus auf die Bereiche Lagerverwaltung und Materialfluss. Zu den namhaften Kunden zählen nationale und internationale Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branche.

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