Definition und Überblick zum Wareneingang in der Intralogistik

Die Gestaltung und der Umfang des Wareneingangs sind relevant für die Leistungsfähigkeit eines Lagers. Ist der Wareneingang falsch geplant oder schlecht organisiert, kann das zu Störungen im Betriebsablauf führen. Im Geschäftsprozess des Wareneingangs werden Artikel identifiziert und zunächst in einer Sichtprüfung auf Vollständigkeit und Beschädigung überprüft. Anschließend werden Artikel erfasst und gegebenenfalls neu etikettiert. Nach erfolgreicher Eingangskontrolle wird die Ware gebucht und zur Einlagerung weitergereicht.

Der Wareneingang eines Lagers besteht meist aus folgenden Komponenten:

  • Rampen
  • Tore
  • Bereitstellflächen
  • Funktionsflächen (zum Beispiel für Kontrollen und Ladungssicherung)

Aufgaben des Wareneingangs

Typische Aufgaben, die vom Wareneingang übernommen werden, lauten beispielsweise:

  • Prüfen der Ware auf Identität, Quantität und Qualität
  • Zwischenlagern bis zum Abschluss der Wareneingangskontrolle
  • Lieferfahrzeuge entladen
  • Auspacken und Sortieren der Packstücke
  • Kennzeichnung der Ware
  • Buchen der Ware

Ziele einer erfolgreichen Wareneingangs-Phase sind es, kurze Durchlaufzeiten zu schaffen, den Platzbedarf und die Mitarbeiterbindung so gering wie möglich zu halten und eine hohe Prozessqualität zu erreichen.

Wareneingang – Identifizierung und Statusbearbeitung

Bei der Anlieferung von Waren müssen im Zuge des Wareneingangs verschiedene Vorarbeiten geleistet werden. Diese erfolgen innerhalb der Prozessschritte Identifizierung und Statusbearbeitung.

Identifizierung über das Wareneingangs-Avis

Am Wareneingang ist die Ware in einem mehrstufigen Prozess zu identifizieren. In der Regel kann auf einem (aus dem kaufmännischen System kommenden) Artikelstamm aufgesetzt werden, sodass die Basisdaten des Artikels dem System schon bekannt sind. Durch die heute enge Verzahnung zwischen Logistikrechner und einer überlagerten kaufmännischen Ebene existiert in der Regel eine Vorinformation über die ankommenden Waren – eine ‚Avisierung‘, die oft zu ‚Avis‘ verkürzt wird. Abhängig von den Voraussetzungen umfasst die Vereinnahmung der Ware folgende Schritte:

Diagramm Drei Wareneingangsmoeglichkeiten mit verschiedenen Avisierungen

Je besser die Datengrundlage beim Wareneingang, desto schneller kann der Prozess abgeschlossen werden

  1. Fehlt ein Wareneingangs-Avis, wird meist ein internes Avis (manuell) angelegt, um eine gleichartige Behandlung mit den anderen beiden Fällen zu gewährleisten.
  2. Kann auf einem summarischen Wareneingangs-Avis aufgesetzt werden, beschränkt sich die Identifikationsphase auf die Erfassung der Daten jeder Lagereinheit (LE), zum Beispiel Palette oder Karton, und einer systemkonformen Etikettierung der LE. Auf einem solchen Label muss heute nicht mehr zwingend der zugewiesene Lagerplatz aufgedruckt sein, da die Zuweisung auch mit mobilen Terminals, beispielsweise erst bei Aufnahme durch einen Stapler, erfolgen kann.
  3. Im Optimalfall werden die LE-Daten bereits vom Absender im Voraus avisiert. Im Wareneingang müssen die schon gelabelten LE nur noch mit einem Strichcodeleser gescannt werden. Voraussetzung ist die Einigung auf eine von beiden Partnern eindeutig interpretierbare Nummerierung und Strichcodierung (→ EAN/CCG: NVE „Nummer Versandeinheit“ / SSCC „serial shipping container code“).

Wareneingang – Statusbearbeitung

In der Statusbearbeitung erfolgt eine weitere Verfeinerung der Warenbeschreibung am Wareneingang. Die damit zusammenhängenden Schritte können teilweise auch nach erfolgter Einlagerung stattfinden (zum Beispiel Qualitätsfreigabe nach Auswertung einer Stichprobe).
Die verknüpften Aufgaben schwanken sehr in Abhängigkeit von der jeweiligen Branche. Die Spannweite reicht von ‚nicht existent‘ bis zu einem umfassenden Qualitätsmanagement und einer Zollbearbeitung für die Vereinnahmung unverzollter Auslandsware.

Allein das Vereinnahmen von Retouren umfasst beliebig komplexe Abläufe, die in der Regel eine enge Verzahnung mit dem kaufmännischen System erfordern (Kunden- und Rechnungsdaten erforderlich).

Wareneingang – Kennzahlen

Wirtschaftlichkeit, Produktivität und Qualität des Wareneingangs können anhand entsprechender Lagerkennzahlen beurteilt werden.

Für den Leitstand sind aus diesem Prozess die Anlieferzeiten, die Anzahl der Artikel und die Verteilung von Artikeln auf verschiedene Ziele von Bedeutung.

Messung der Wareneingangsziele

Zur Messung der Wareneingangsziele spielen die Kennzahlen zu folgenden Vorgängen eine Rolle:

  • Anzahl angenommener Artikel
  • Warenannahmezeit
  • Flächenverwendung
  • Arbeitsfortschritt
  • Qualität des Wareneingangs

Zu den Empfängern dieser Kennzahlen gehören

  • der Logistik-Leiter,
  • der Wareneingangs-Leiter und
  • weitere Mitarbeiter, die im Wareneingang eine Rolle spielen.

Wareneingang in der Buchhaltung

Der Wareneingang ist nicht nur ein intralogistischer sondern auch ein buchhalterischer Vorgang. Die Vereinnahmung der Ware beim Wareneingang bedeutet, dass der Bestand des Unternehmens erhöht und Kapital gebunden wird. Die Buchführung benötigt für diese Buchungen entsprechende Belege, die in Form von Lieferscheinen oder Eingangsrechnungen vorliegen.

Zusammenfassung

Der Wareneingang ist ein Geschäftsprozess in der Intralogistik, der sich auf die Leistungsfähigkeit eines Lagers auswirkt. Dabei werden erwartete sowie unerwartete Lieferungen (Bestellungen/Retouren) entgegengenommen und für weitere Prozesse wie beispielsweise die Einlagerung vorbereitet. Intralogistisch gehören dazu die Teilschritte Identifizierung und Statusbearbeitung, buchhalterisch die Vereinnahmung. Beim Wareneingang gilt es einerseits, ausreichend zu kontrollieren, um störungsfreie Folgeprozesse zu gewährleisten; andererseits aber auch, die Durchlaufzeiten sowie den Personaleinsatz im Sinne der Wirtschaftlichkeit gering zu halten. Dafür gibt es Wareneingangsziele, deren Erreichen mittels Kennzahlen gemessen und überprüft werden kann.

Nach dem Geschäftsprozess „Wareneingang“ erfolgt der Prozess „Einlagerung“. Informationen dazu finden Sie unter Einlagerung – Prozessschritte.

Informationen zur Zusammenfassung oder Aufteilung von Einzelteilen finden Sie unter Konsolidierung und Dekonsolidierung.

Über TUP - Redaktion

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Die Redaktion der DR. THOMAS + PARTNER GmbH & Co. KG hat die Plattform Logistik KNOWHOW ins Leben gerufen, administriert und koordiniert die Beiträge und erstellt selbst Inhalte zu verschiedenen Kategorien. Die Software-Manufaktur DR. THOMAS + PARTNER aus dem Raum Karlsruhe realisiert seit über 35 Jahren maßgeschneiderte Intralogistik-IT-Systeme, mit speziellem Fokus auf die Bereiche Lagerverwaltung und Materialfluss. Zu den namhaften Kunden zählen nationale und internationale Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branche.

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